Erzbischof
Odilbert von
Mailand über
Friedrich Ludwig
Leonhard Wiegand
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for rnoMOTiNü
THEOLOGICAL 1CDUCATIÜN.
Received I 3 (0 Q~t I
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Studien
zur
G-eschichte der Theologie
und der Kirche
herausgegeben
von
N. Bonwetseh und R. Seeberg
Göttingen. Berlin-
Band IT.
Leipzig.
Dieterich 's che Verlagg-Buchhandlung
Theodor Weicher
1899.
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s
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Inhalt.
Heft 1: Wiegend, Lic. Dr. Fr., Enbischof Odilbert tod Mailand
Uber die Tanfe.
Heft 2: Wiegrand, Lic. Dr. Fr., Die Stellung des apostolischen
Symbols im kirchlichen Leben des Mittelalters. I. S y m b o 1
und K atechumenat.
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Studien
T
zur
Geschichte der Theologie
und der Kirche
herausgegeben
von
N. Bonwetsch und R. Seeberg
" Güttingen . ~ Berlin.
Vierter Band. Heft 1.
Leipzig.
Dieterich' sehe Verlags-Buchhandlung
Theodor Weicher
1899.
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Ö
Erzbischof Odilbert von Mailand
über die Taufe.
Ein Beitrag zur Geschichte der Taufliturgie
im Zeitalter Karls des Grossen
von
Lic. Dr. Friedrich Wiegand,
Privatdozent der Theologie in Erlangen.
Leipzig.
Dieter ick'sche Verlags-Buchhandlung
Theodor Weicher
1899.
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Inhalt.
Seit«
1. Das Rundachreiben Kaiser Karla a_Q die Erz-
hischöfe . , , , . . . . . . . . . . . . . , , 1—10
Die Absicht des Rundschreibens 1 — 7. Die bisher be»
kannten Antworten 7 — 9 Mabillon über Odilbert 9—10.
IT. Odilbert von Mailand und seine Schrift . , , , 11—16
Biographisches 11 — 12. Allgemeiner Charakter der
Schrift 12—13. Odilberts Quellen 13—15. Spätere Zu-
thaten 15-1fi.
1TI. Die Codices und der Text . . . . . . . . , . , 17—37
Codex von St. Paul 19—23 Codex Monaconsis 22—23.
Das Rundschreiben Karls 23— 2ft Od il hart« Brief an
den Kaiser 25 — 27. Odilberts Liber de baptismo 27—37.
IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert rep rasen -
tierton Timt'ordo des 9. Jahrhunderts . . . . 38 — 68
Skrntinienritua und Taufordo 38 — 39. Katechumenat
40—44. Taufvorbereitung 44 — 19. Taufakt 49— 53. Cerc-
monien nach dem Taufakt 54— fifi. Dar mailändische
und d er trünkiache Taufordo des 9. Jahrhunderts 66— 6 8.
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I. Bas Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
Zu denjenigen Massnahmen Karls des Grossen, welche auf
die Vertiefung des inneren Lebens in der Kirche abzielten,
gehörte ein Rundschreiben, welches der Kaiser in den letzten
Jahren seiner Regierung, spätestens aber 812, an die Erz-
bischöfe des ganzen Reiches richtete. 1 ) In demselben bedauert
er, um seiner körperlichen Beschwerden willen nicht in dem
Masse sich mit den Adressaten über kirchliche Angelegenheiten
vertraulich beraten zu können, wie er wohl möchte. Zwar sei
ihm ihr Eifer in Sachen ihres Berufes wohlbekannt; dessen-
ungeachtet könne er nicht umhin, ihnen immer aufs neue wieder
die grössto Sorgfalt in ihren geistlichen Pflichten einzuschärfen.
In dieser Absicht fordere er sie auf, ihm offiziell und zwar
schriftlich oder mündlich mitzuteilen, in welcher Weise sie
und ihre Suffragane den Diöcesanklerus sowie die Gemeinden
über Taufe und Taufvorbereitung unterrichteten. *)
') Zum Datum vgl. Böhmer-Mühlbacher, Regesta imperii I 191 sq.
Nr. 461. Zum ganzen Vorgang Theolog. Quartalschrift, Tübingen 1824
S. 372—375. Bettberg, Kirchengeschichte Deutschlands I 438. Abel-
Simson, Jahrbücher des Fränkischen Reiches unter Karl d. Gr. 1883
II 494-497.
■) Erhalten sind Exemplare dieses Rundschreibens an Erzbischof
Amalar von Trier (Abgedr. auf Grund des Cod. Tigurin. C. 102 s. X. in
Alcuini opp. ed. Frobenll 520, bei Migne ser. lat. 99, 892 und bei Jafie,
Monum. Carol. p. 402 sq.) und an Erzbischof üdilbert von Mailand
(Abgedr. auf Grund eines Cod. Mettensis des Placidus von ßeuville (Kon-
gregation von St. Vanne) bei Mabülon, Vetera analecta 1675. Tom. I
p. 21 sq. 1723 p. 75 sq. Bai uze, Capitularia reg. Franc. I 483 sq. Bouquet,
Recueil des historiens V 632 sq. Le Cointe, Annal. eccl. Franc. VII 211 sq.
W t e g a n d , Odilbert von Mailand. 1
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2 I- Das Randschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
Es liegt auf der Hand, dass es sich bei diesem Schrift-
stück nicht etwa bloss um eine lobenswerte Wissbegierde des
alten Kaisers handelte. Gesteht man sich doch im Kreise der
Befragten selbst ganz offen ein, Karl habe jene Massregel nicht
ergriffen, um zu lernen, sondern um zu lehren und um Schläfrige
aufzurütteln. 1 )
Ohne dieses Urteil von Männern, die in der Lage waren,
die Intentionen Karls richtig zu durchschauen, könnte man
allenfalls auf einen anderen Beweggrund schliessen. Es wäre
nicht undenkbar, dass das Rundschreiben einem kirchlichen
Grundgedanken zu dienen bestimmt gewesen wäre, der während
des 8. und 9. Jahrhunderts fort und fort im Frankenreiche
begegnet, nämlich der Erzielung grösstmöglichster Uberein-
stimmung mit Rom in liturgischen Dingen. 2 ) Man weiss, wie
schon Pippin den römischen Kirchengesang in seinem Reiche
einführte, 8 ) wie ferner Karl es sich angelegen sein Hess, die
alten gallischen Sakramentare durch römische zu ersetzen uud
auf diese Weise der römischen Gottesdienstordnung zur aus-
Hartzheim, Conc. Germ. I 399 sq. Mansi, Conc. coli. XIV Append. p.
a
331 sq. u. and. j auf Grund des Cod. St. Pauli in Karinth. XXV und des
Cod. Vindob. iur. can. 45, nunc 398, bei Pertz M. G. Leges I 171. Bo-
retius 31. G. Capitul. reg. Franc. I 246 sq. Jaffe, Monum. Carol. p. 401 sq.).
In letztgenanntem Cod. Vindob., dem bekannten Cod. epistol. Udalrici, so-
wie im Cod. Zwetlensis 283 steht statt des Namens Odilbert ein N., vgl.
Boretius 1. c. p. 246 not. a. Eccard, Corp. hist. med. aevi II 34 sq. Nr. 17.
Jaffe, Monum. Bambergensia p. 6. Pez, Thesaur. anecd. noviss. II 2 p. 7 sq.
*) Erzbischof 3Iagnus von Sens an Karl, Jaffe, 3Ionum. Carol. p. 415:
Quod nos de somno stultitiae vel insipientiae excitare dignati fuistis. sicut
semper et ubique solliciti estis. Vgl. Bischof Theodulf von Orleans an Erz-
bischof 3Iagnus von Sens, Jaffe 1. c. p. 414: Quaestiones interea istae, ut
ego te nosse certus sum, a regali celsitudine non sunt factae necessitate
discendi sed studio docendi ; nec ut ipse his absolutis de nescitis valeat
imbui , sed ut alii de somno desidiosi torporis ad rerum absolvendarum
utilitatem valeant excitari. Quippe cui hoc Semper familiäre est: ut exer-
ceat praesules ad sanctarum scripturarum indagationem et sanam sobriain-
que doctrinam, omnem clerum ad disciplinam, monachos ad religionem, omnes
generaliterad sanctitatem, praelatos adhumilitatem, subditos ad obedientiam.
*) Vgl. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands II 227—229.
*) Admonit. general. c. 80. Boretius 1. c. p. 61. Epistola general.
Boretius 1. c. p. 80. Vgl. Ademari hist. II 8. M. G. Script, IV 117 sq.
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I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 3
schliesslicheii Geltung im Norden zu verhelfen. 1 ) Aber auch
in Bezug auf die Taufe verlangte Karl schon seit Jahren Hand-
habung des römischen Usus. 2 ) War doch gerade hier eine
Ausgleichung der zahllosen Verschiedenheiten besonders wün-
schenswert. Denn man kann ohne Übertreibung behaupten,
dass es fast ebensoviele Variationen der Taufvorbereitung und
der Taufliturgie gibt , als uns liturgische Urkunden jener Zeit
aus Italien, Frankreich und Deutschland erhalten sind. So
wäre denn eine Enquete wohl am Platz gewesen, um den litur-
gischen Wirrwarr zunächst feststellen und alsdann beseitigen
zu können.
Immerhin deuten die Worte des Kaisers wie auch die Be-
merkungen des Erzbischofs Magnus von Sens und die des
Bischofs Theodulf von Orleans weniger auf eine derartige kirchen-
regimentliche Massnahme als auf eine persönliche Prüfung der
Erzbischöfe. Sie, die in erster Linie dazu berufen waren, Karls
fürsorgliche kirchliche Pläne zur Durchführung zu bringen,
sollten sich über ihren christlichen Glauben wie über ihre
theologische Bildung ausweisen. Der Kaiser wählte zu dem
Zweck einen Gegenstand von centraler Bedeutung, der, formell
gut abgegrenzt , gleichwohl nach den verschiedensten Seiten
hin Gelegenheit zu ausgiebigen Erörterungen bot, einen Gegen-
stand obendrein von allgemeinstem Interesse, an dem kein
Kleriker und kein Laie in der Kirche vorübergehen konnte.
Denn das Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit bezweckte
einerseits, dass die Befragten das Taufceremoniell im Sinne
und nach dem Geschmack der damaligen Theologie d. h. mystisch-
symbolisch erörtern sollten. Andrerseits ward ihnen nahe ge-
] ) Jaffe, Monum. Carol. p. 274. Komische Sakrament are bezw. solche,
welche den gallischen und den römischen Ritus gemischt enthalten, finden
sich zu Karls Zeiten häufig. Vgl. die von Delisle (Memoire sur d'anciens
sacramentaires p. 83 — 96) aufgezählten Codices, bes. Kr. 9. 10. 13. 15.
*) Dupl. legat. edict. (a. 789) c. 23. Boretius 1. c. p. 64 : Ut audiant
episcopi baptisterium presbyterorum, ut secundum morem Romanum bapti-
zent. Vgl. Conc. Mogunt. a. 813 c. 4 (Hefele, ConcÜiengesch. (2) III
760) sowie die auf Beobachtung der kanonischen Taufzeiten abzielenden
Kapitularbestimmungen bei Boretius 1. c. cap. 36, 10 (a. 802) p. 106;
cap. 83, 5 (a. 813) p. 182; cap. 119, 10, p. 237.
1*
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4
L Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
legt, im Anscbluss an das in der Taufliturgie zur Verwendung
kommende apostolische Glaubensbekenntnis sich über ihren
Glauben an die Trinität und an die anderen von der Symbol-
formel umschriebenen wichtigsten Dogmen der Kirche aus-
zusprechen. Das war es, was man damals unter dem Begriff
„Credulitas" verstand, der sich etwa mit dem deckte, was man
auch „Regula fidei" nannte, d. h. der kurzen Zusammenfassung
des Hauptinhaltes christlicher Lehre, wie derselbe sich im
Glaubensleben des einzelnen Theologen oder der einzelnen Ge-
meinde widerspiegelte und zugleich der theologischen Entwicke-
lung im Kampfe mit der Häresie als Norm diente.
Wie wünschenswert aber und wie zeitgemäss ein solches
Vorgehen Karls war, das lässt sich deutlich aus den einge-
laufenen Antworten ersehen. Denn obwohl Taufe und Tauf-
vorbereitung zu den alltäglichen Dingen für den Klerus ge-
hörten, so hat das kaiserliche Rundschreiben doch in der That
manchem der alten Herren schweres Kopfzerbrechen verursacht.
Enthielt doch der beigelegte Fragebogen Namen, Formeln und
Ceremonien, die man wohl mehr oder weniger gewissenhaft
handhabte, über deren Herkunft man sich aber noch nie einen
Skrupel gemacht hatte, und deren Zweck und Bedeutung man
sich, wie aus den einzelnen Erklärungsversuchen hervorgebt,
sehr verschiedenartig zurechtlegte. Allenfalls fand man sich
mit der symbolisch-mystischen Ausdeutung der Einzelheiten des
Taufritus leidlich ab, aber das theologische Erträgnis der ganzen
Aktion erwies sich als minderwertig.
In der That dürfte es für einen geschulten Liturgiker
stellenweise schwierig gewesen sein, ein aus römischen wie
gallischen Elementen verschiedenster Jahrhunderte zusammen-
gewachsenes Ceremoniell auf seine historischen Ausgänge und
religiösen Grundgedanken unbedingt sicher zurückzuführen.
Wieviel mehr aber für diesen oder jenen Erzbischof, dessen
Verdienste nicht geleugnet werden sollen, der aber mehr als
Kirchenfürst, als Diplomat, als Kulturarbeiter excellierte denn
gerade als Gelehrter. Wenn von manchem dieser geistlichen
Herren keine andere theologische Schrift auf uns gekommen ist
als eben seine Antwort auf jenen kaiserlichen Fragebogen,
wenn obendrein sein Brief an Karl den Eindruck mühsamer
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I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe. 5
Zusammenstoppelung macht oder wegen seiner Unvollständig-
keit dem Kaiser nicht genügt, so spricht dies aufs beste für
Karls Anschauung, dass die theologischen Leistungen des
damaligen Klerus einer Steigerung fähig und bedürftig waren. 1 )
Mag immerhin nach der einen angedeuteten Richtung hin das
ganze Unternehmen keinen praktischen Erfolg gehabt haben,
mag vielmehr die liturgische Centralisation den kommenden
Geschlechtern als Desiderat verblieben sein : schaden konnte es
jedenfalls nichts, wenn Karl seine Erzbischöfe und durch sie
indirekt wieder die Bischöfe und Pfarrer zwang, sich Rechen-
schaft über die einzelnen Teile ihres gottesdienstlichen Handelns
zu geben. 2 ) Die Kirche musste es vielmehr ihrem Kaiser
') Ganz besonders erfreut war der Kaiser über die Arbeit des Ama-
lar von Trier. Er dankt ihm mit den Worten: Scripta nobis tua sancti-
tate directa grata suscepimus dextera. Pro quo tibi laudes et gracias referi-
mus; maxime quia, cum ipsam perlegere in presencia nostra fecissemus,
catholicam et omni laude dignam invenimus. Et hoc, quod nobis obe-
diens fuisti et nostris iussionibus accelerare curasti, graciam agimus (Jaffe,
Monum. Carol. p. 409). Dagegen vermisst er in der Schrift des Leidrad
von Lyon ein näheres Eingehen auf die Abrenuntiation, weshalb der Ge-
nannte einen Aufsatz hierüber nachzuliefern sich genötigt sieht. Vgl.
in dem Briefe Leidrads, der sein Opusculura de abrenuntiatione diaboli
(Abgedr. bei Mabillon, Vetera anal. p. 85 —89) begleitet: Tunc demum non
tarn imperiali quam paterna ammonitione innotescere nobis dignati estis:
minus nos dixisse de abrenunciatione diaboli et earum, quae eins sunt
rerum, quam vestra pietas optabat (Jaffe 1. c. p. 412).
f ) So hat Erzbischof Magnus von Sens den Fragebogen Karls an seine
Diöcesanbischöfe weitergegeben und antwortet dem Kaiser zugleich in
seinem und seiner Bischöfe Namen, vgl. Jaffe, Monum. Carol. p. 414 sq.:
Innotescere magnitudini vestrae praesumsimns nos servi vestri, Magnus
scüicet et ceteri compares mei licet indigni episcopi ad Senonicam dioe-
cesim pertinentes. Auch ist die Antwort eines der Diöcesanen, des Bischofs
Theodulf von Orleans, sieber auf uns gekommen: Theodulfi Aurelianensis
episcopi de ordine baptismi ad Magnum Senonensem über, abgedr. bei
Sirmond, Opera varia 1728 II 679-696 Ml. 106, 223—240. Ferner richtete
wohl zur selben Zeit Bischof Jesse von Amiens seine bekannte Epistola
de baptismo an die Pfarrer seiner Diöcese: Sacris sacerdotibus et in
Christo omnibus dioecesi nostrae digne militantibus Iesse humilis episco-
pus in domino salutem. Quoniam quidem dubitor me loqui vobis, cum
aaepius fore cognosco de divinis libris ac sacerdotalis officii mysteriis,
quamquam mihi causa impossibilitatis impediat ac absentiae. Ideo bre-
viter vobis. in quantura temporum adfuit spatium, qualiter a sacri baptis-
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6 I. Das Randschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
Dank wissen, dass er selbst au den Einzelheiten des Kultus das
lebhafteste Interesse nahm, und dass er zugleich seine ganze
Autorität in die Wagschale legte, wenn es galt, Hoch und
Niedrig in der Kirche an die tiefste Erfassung ihrer Pflichten
zu mahnen und vor Oberflächlichkeit oder Untreue zu bewahren.
In der That hat denn auch jene Massregel Karls ihre
guten Früchte gezeitigt Sie wurde der Anlas s zu einer reichen
liturgischen Litteratur. Freilich lag das Interesse an litur-
gischen Fragen damals in der Luft. In Bezug auf die Lehre
haben die Theologen im karolingischen Zeitalter sich vor-
wiegend receptiv verhalten, hinsichtlich der Ausbildung des
Gottesdienstes hingegen arbeiteten sie mit Fleiss und mit
selbständiger Überlegung. Man kann wohl sagen, dass die
Lücke, welche das 9. Jahrhundert in der Dogmengeschichte
aufweist, durch die Fortschritte auf liturgischem Gebiete voll-
auf kompensiert wird. Und gerade was die fränkische Theologie
nach dieser Hinsicht damals geleistet, hat noch keineswegs die
verdiente "Würdigung gefunden.
Inmitten dieser Bewegung bedeutet aber Karl in erster
Linie eine treibende Kraft, und ebenso kommt seinem Rund-
schreiben vom Jahre 812 eine hervorragende Stellung in der
ganzen Entwickelung zu. Jener kaiserliche Fragebogen gab den
Anlass dazu, dass sich mancher Kirchenfürst mit theologischen
Studien abgab, der denselben sonst wohl fern geblieben wäre; 1 )
eine ganze Reihe von Antworten, welche einliefen, liess einen
matis unda per gradus perveniri debeatur, scribendo perstrinximus. Scio
vero quia multi ex vobis eius bene noverunt mysteria, sed propter exer-
citationem et ignorantiam, causam convenientius mihi omnibus scribere
videtur, quam aliquibus insciis. Unde et rogo, ut vos qui capaciores sensu
estis, instruatis et adhortetis eos qui minoris sunt ingenii, in spiritu mansue-
tudinis ac lenitatis, ut intente quae in eo latent, perquirant et ad fructum
sanctae dei ecclesiae domino favente inquisita perducant. Abgedr. bei
Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII 397—401 Ml. 105, 781—791.
*) Leidrad von Lyon, Liber de sacramento baptismi, praefatio Ml.
99, 853 sqq.: Quae omnia sicut difficilia sunt et ardua ad cognoscendum,
ita quoque perplexa et laciniosa ad innotescendum. — Sed quia ille iussit
qui nec falli poteat tergiversatione nec contemni silentio, aggrediendum
est opus et iuxta facultatem virium exponendum quod in regenerationis
sacramento percipimus tenendom. Uli scientiam nostram offerimus qui
magis solet docere quam reprehendere.
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I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
7
Blick in die ungeahnte Mannigfaltigkeit thun, welche auf litur-
gischem Gebiete in den einzelnen Diöcesen des Reiches herrschte.
Das führte dann weiter zu einem Gedankenaustausch über die
historische Entwickelung und theologische Bedeutung des kirch-
lichen Ceremoniells , die fraglos nicht ohne Einfluss auf die
grossen liturgischen Arbeiten eines Amalar und Hraban blieb.
Aber es liegt auch auf der Hand, von welcher Bedeutung
jene erzbischöflichen Antwortschreiben für die historische Er-
kenntnis sind. Als Quellen ersten Ranges spiegeln sie eben-
sowohl die liturgischen Zustände des Reiches wie die theolo-
gische Bildung des hohen Klerus in jener Zeit wieder. Und
da sie auch zu der Frage Karls: De symbolo, quae sit eius
interpretatio secundum Latinos, Stellung nehmen, so findet neben
der Kultusgeschichte bei ihnen auch die Symbolforschung ihre
Rechnung. 1 )
Kein Wunder deshalb, wenn man von alters her auf die
einschlägigen Schriften mit Eifer gefahndet hat. Indessen hat
erst Paul Oaspari die durch das kaiserliche Rundschreiben
direkt oder indirekt veranlasste liturgische Litteratur zusammen-
gestellt. 2 ) Er konstatierte zunächst fünf direkte Antworten an
Karl von den Erzbischöfen Leidrad von Lyon, Magnus von
Sens, Amalar von Trier, Maxentius von Aquileja und Odilbert
von Mailand, sodann das Gutachten des Bischofs Theodulf von
Orleans an seinen Metropoliten Magnus von Sens und den Er-
laBs des Bischofs Jesse von Amiens an den Diöcesanklerus von
Amiens, endlich einen anonymen Traktat und ein Fragment,
also insgesamt neun Schriften. Indessen ist von den beiden
letzteren der Brevis tractatus de sacramento baptismi, *) in
welchem Caspari eine direkte Bezugnahme auf Karls Frage-
bogen sehen will, nichts anderes als ein im 9. Jahrhundert
*) Vgl. Swainson, The Nicene and Apostles' Creeds p. 185 sq. Cas-
pari, Alte und neue Quellen S. 285 Anm. 14. Kattenbusch, Das aposto-
lische Symbol I 177—182. Hahn, Biblioth. d. Symbole u. Glaubens-
regeln (3) S. 79 sq. § 69. 70. S. 100 § 96. D. Jean Chapman in der
Rev. Bened. 1894 p. 365. Haussleiter in der Neuen kirchl. Zeitschrift
1898 S. 341-351.
») A. a. O.
•) Abgedr. bei Martene, De antiqnis ecclesiae ritibus 1736 Tom. 1 172 sq.
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8 I. Dm Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
■
überaus häufig begegnendes offizielles Schema der Taufliturgie ')
mit zwei kleineren und zwei grösseren Interpolationen und ge-
hört demnach nicht unter die in Frage stehende Litteratur.
Dagegen ist es mir bis jetzt gelungen, vier weitere aller-
dings auch nur namenlose Schriften nachzuweisen, die ent-
schieden zu dieser Gruppe zählen. Von ihnen sind zwei be-
reits länger bekannt, aber bisher unbeachtet geblieben, nämlich
die Epistola ad Oarolum M. imperatorem de ritibus baptismi -)
und die mit dem kaiserlichen Rundschreiben ohne Zweifel in-
direkt zusammenhängenden Collectanea dicta de antiquis riti-
bus baptismi eorumque significatu. 8 ) Auf zwei andere, eben-
falls direkt an den Kaiser gerichtete Antworten von Erzbischöfen,
die nur handschriftlich in Orleans und Brüssel bezw. München
vorhanden sind, hat erst vor einigen Jahren Dom Germain
Morin aufmerksam gemacht. 4 )
Somit beliefe sich also die Zahl der durch Karls Frage-
bogen veranlassten und bis jetzt nachweisbaren Schriftstücke
auf acht direkte Antwortschreiben und vier anderweitige Auf-
sätze über die Taufe. Unter ihnen tragen weiter sieben den
Namen ihres Verfassers, während fünf namenlos sind. Neun
sind bereits gedruckt, drei hingegen blieben bisher unediert.
Denn abgesehen von jenen beiden jüngst erst durch Dom Ger-
*) Unt. and. Alcuini epist. 93 ad monachos Gothiae u. epist. 261 ad
Oduinum presbyt. Jaffe, Monom. Alcuin. p. 390 sq. 824 sq. Ferner unter
dem sinnlosen Titel Traditio baptisterii als Anhang der J esseschen
Schrift an die Pfarrer über die Taufe. Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII
401. Ml. 105, 791 sq.
*) Abgedr.beiMartene, Thesaur. novus anecdot. 115— 17 Ml. 98, 938 sq.
*) Abgedr. bei Pez, Thesaur. anecdot. noviss. H 2 p. 12—16 Ml. 106,
53-58.
*) Vgl. Rev. ßened. 18% p. 289—294. Die erstere (Ms. 94 d'Orleans
fol. 20 b ) beginnt: O serenissime atque püssime Auguste, precepit nobis
dignitas vestra. Über die Handschrift vgl. Delisle, Notice sur plusieurs
ms. de la biblioth. d'Orleans p. 10. Die andere (Cod. Bruxell. 17349—17360.
Cod. lat. Monac. 21568 Weihensteph. saec. X1T fol. 79) enthält auch das
schon genannte offizielle Taufschema aus Alcuin epist. 93. 261, ist aber
jedenfalls von einem Brzbischof verfasst, der über Suffragane verfügt.
Morin schwankt zwischen Riculf von Mainz, Hildebald von Köln und Arn
von Salzburg. Beide Schriften gehören demnach zu den direkten erz-
bischöflichen Antwortschreiben.
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I. Da« Rundsehreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
9
main Morin bekannt gegebenen Antworten barrt auch der
Aufsatz eines der bedeutendsten Kirchenfürsten, des Erzbischofs
Odilbert von Mailand, noch der Herausgabe. 1 )
Derselbe lag Mabillon in einer Reichenauer Handschrift
vor. Gleichwohl hielt es der gelehrte Mauriner nur für not-
wendig; aus der letzteren das Schreiben des Kaisers und den ein-
leitenden Brief des Erzbischofs zu publizieren, während er von
der Schrift selbst bloss die Uberschriften und Initien der
Kapitel abdruckte.'-) Der Excerptencharakter des Odilbertschen
*) 1. Leidrad von Lyon, Liber de sacramento baptismi (Mabillon,
Vetera analecta 1723 p. 78—85. Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII
382-^389 MI. 99 , 853—872). 2. Magnus von Sens, Libelius de mysterio
baptisraatis (Martene, De antiq. cccl. ritib. 1736 Tom. I 169 — 171. Ml. 102,
981 — 984). 3. Amalar von Trier. Epistola de caerimoniis baptismi (Ger-
bert, Monum. vet. liturg. Alem. II 264 — 269. Alcuini opp. ed. Froben
II 520—524 Ml. 99, 893-901). 4. Maxentius von Aquileja, Epistola de
significatu rituum et caerimoniarum baptismi (Pez, Thesaur. anecdot. no-
viss. II 2, 7—12 Ml. 106, 51—54). 5. Odilbert von Mailand, Liber de
baptismo. 6. Theodulf von Orleans, Liber de ordine baptismi ad Magnum
Senonensem (Sirmond, Opera varia II 679—696 Ml. 105, 223—240). 7. Jesse
von Amiens, Epistola de baptismo (Gallandi, Biblioth. veter. patr. XIII
397—401 Ml. 105, 781—791). 8. Fragment aus der Schrift eines Ano-
nymus (Baluze, Capitular. reg. Franc. II Appendix Nr. 22 p. 1402 — 1403
Ml. 98, 939). 9. Epistola de ritibus baptismi ad Carolum M. imperatorem
(Martene, Thesaur. novus anecdot. 1 15—17 Sil. 98, 938 sq.). 10. Collectanea
dicta de antiquis ritibus baptismi eorumque significatu (Pez, Thesaur.
anecdot. noviss. II 2, 12 — 16. Ml. 106, 53 — 58). 11. Anonymus im Cod.
Bruxell. 17349-17360, bezw. im Cod. lat. Monac. 21568 Weihensteph.
(Rev. Ben6d. 1896 p. 290—292). 12. Anonymus im Ms. 94 der Bibliothek
von Orleans : O serenissime atque piissime Auguste, precepit nobis dignitas
vestra. Vgl. Delisle, Notice sur plusieurs ms. de la biblioth. d'Orleans
p. 10. Rev. Bened. 1896 p. 294 n. 1. — Ob endlich auch der Ordo vel
brevis explanatio de catechizandis rudibus in dem Cod. Vindob. 1370
hierher gehört, lässt sich aus den Mitteilungen, welche Caspari (Alte und
neue Quellen S. 282—289) darüber macht, nicht mit Sicherheit schliessen.
Vgl. Kattenbusch, D. apost. Symb. I 210.
*) Vetera analecta 1675 Tom. I p. 21 sq. 1685 Tom. IV p. 317 sqq.
Edit. sec. 1723 p. 75 — 77. Das Rundschreiben des Kaisers ex Mettensi
codice, welchen der Mönch Placidus von Beuville (Kongregation von
St. Vanne) entdeckt hatte. Odilberts Antwort an Karl samt Inhalts-
angabe seiner Schrift über die Taufe, ex bibliotheca Augiensi. Den Brief
Odilberts allein druckte auf Grund von Mabillon wieder ab Pertz M. G.
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10 I. Das Rundschreiben Kaiser Karls an die Erzbischöfe.
Aufsatzes war es, was Mabillon zu diesem Verfahren veranlasste.
Mehr als dieses Mabillonsche Inhaltsverzeichnis scheint auch
Martene von der Odilbert9chen Schrift nicht gekannt zu haben. 1 )
Aber die Wissbegierde der Gegenwart glaubte sich damit nicht
zufrieden geben zu können. Caspari bedauerte das souveräne
Vorgehen Mabillons 9 ), und Kattenbusch stellte Vermutungen
über einen der Gewährsmänner auf, die Odilbert vorzugsweise aus-
geschrieben hatte. 8 ) Die Frage schien um so interessanter, als der
Codex, den Mabillon benutzt hatte, unbekannt geworden war.
Auch mich zog es bei meinen Versuchen, einen Einblick in
die karolingische Taufliturgie zu gewinnen, zu der Odilbertschen
Schrift. Denn wollte man alle diejenigen theologischen Werke
der karolingischen Periode ausmerzen, die mehr oder weniger
Excerpte aus den Vätern bilden, so würde überhaupt nicht
viel übrig bleiben. Galt doch geistige Unselbständigkeit ge-
radezu als ein wissenschaftlicher Ruhmestitel in jener Zeit.
Aber trotzdem musste es von höchstem Interesse sein zu
erfahren, wie einer der hervorragendsten Metropoliten des
Reiches, der Erzbischof der gerade in liturgischer Hinsicht von
alters her viel genannten Mailänder Kirche, sich zur Frage nach
dem Taufceremoniell gestellt habe.
Unter diesen Umständen bedarf es wohl keiner weiteren
Rechtfertigung, wenn ich diese bisher nur dem Namen und
allgemeinen Inhalt nach bekannte Schrift endlich der theolo-
gischen Welt im vollen Wortlaut vorlege.
Leges I 171; auf Grund des Cod. St. Pauli in Karinth. XXV ^ Jaffe, Mo-
num. Carol. p. 403—406 und Boretius M. G. Capitul. reg. Franc. I 247 sq.
*) De antiq. eccl. ritib. 1736 Tom. I 37: Denique tarn insufilationis
quam exorcismorum meminere . . . qui de ritibus baptismi scripserunt
auctores pene omnes, quales sunt Hildephonsus Toletanus archiepiscopus,
Leidradus Lugdunensis, Magnus Senonensis, Odilbertus Hediolanensis, Ka-
banus Moguntinus . . .
2 ) Alte und neue Quellen S. 286: Wo wir doch nur die Titel der
verschiedenen Abschnitte dieser Schrift erhalten.
•) D. apost. Symb. I 178: Ich gestehe jedoch, dass ich nicht weiss,
wer der „Johannes" ist, den er meist nennt. — Vielleicht ist Johannes
Cassianus gemeint. Jedoch ich lasse alle Mutmassungen dahingestellt.
Jedenfalls ist es bedauerlich, dass Mabillon so zurückhaltend gewesen;
soweit mir bekannt, ist das Buch des Odilbert bis jetzt noch nicht ediert.
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II. Odilbert von 3Iailand und seine Schrift.
11
IL Odilbert von Mailand nnd seine Schrift.
Über den Verfasser des Traktates sind bis jetzt nur wenige
Daten bekannt. 1 )
Odilbert 2 ) der Dicke, erst Bischof von Acqui, seit etwa 803
Erzbischof von Mailand, 8 ) verdankte die Erhebung zu dieser
höchsten kirchlichen Würde in Oberitalien dem Unistande,
dass er ein besonderer Liebling Kaiser Karls war. Natürlich
brachte ihn die neue exponierte Stellung erst recht in wieder-
holte Beziehung zu den Gliedern des Kaiserhauses. So nahm
er Karls zweiten Sohn , den König Pippin von Italien , als
kranken Mann gastlich bei sich auf und bereitete den Sterben-
den (8. Juli 810) zum Tode vor. 4 ) Dann krönte er Pippins
') Papebroch, Acta Sanctorum, Mai Tom. VII p. LVI. LXIX.
Ughelli, Itaüa sacra, edit. sec. Venetiis 1719. IV 75 sq. Auf Ughelli be-
rahen vorzugsweise die kurzen Mitteilungen aller übrigen, nämlich von:
Cave, Scriptor. eccl. historia literaria 1699 p. 198; 1720 p. 434. Oudin, Com-
mentarius de Script, ecclesiae antiquis 1722. II 1 — 3. Zedier, Universal- \
lexikon 1740. XXV 456 f. Jöcher, Allgem. Gelehrtenlexikon 1751. III 1023. N
* Adelung, Allgem. Gelehrtenlexikon 1816. V 923. Eabricius, Biblioth. lat. -
med. et infim. aetatis ed. Mansi. 1754. V 161.
») Die Orthographie des Namens ist natürlich schwankend : Odelbert,
Odelpert, Odilbert, Odilpert, Odobert, Odolpert, Odopert, Olbert, Oldibert,
Oldipert, Oldobert, Olibert, Alepert, Alibert, Edelbert. Er selbst unter-
zeichnete eine Urkunde vom 25. Januar 806, in welcher er dem Abt Ari-
gausus von St. Ambrosius die Kirche des heil. Vincentius in Prato schenkt,
mit Odelpertus. weshalb Ughelli diese Schreibweise für die richtige er-
klärt. Gleichwohl behalte ich aus praktischen Gründen die einmal ein-
gebürgerte Form bei.
3 ) Papebroch gibt als Ordinationstag den 13. oder 20. Juli (Sonntag)
805 an. Ihm schliessen sich Jaffe und Boretius an. Ughelli nennt als Tag,
an welchem Odilbert seinem Vorgänger Oldrad gefolgt sei, den 1. Ok-
tober 804 und beruft sich hierfür ohne Berechtigung auf Tristan Calchus
(vgL Historiae patriae lib. V ed. Graevius 1704. II 173). Dümmler (Gesta
Berengarii imperatoris p. 164) endlich rechnet, wie vor ihm schon Adelung,
803 heraus.
4 ) Dagegen ist die auch von üghelli aufgestellte Behauptung, dass
Odilbert die Leiche des Königs nach seiner Residenz Verona überführt
habe, unrichtig. Pippin wurde am 11. Juli in S. Ambrogio in Mailand
begraben, wo sich heute noch seine Grabschrift befindet. Annal. Laurias,
min. Pertz M. G. Script. I 121: Sepultus est Mediolanum. Malfatti, Ber-
nardo re d' Italia p. 63. 58.
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12
II. Odilbert von Mailand and seine Schrift.
Sohn Bernhard zum König von Italien. In das zweitnächste
Jahr fällt die Abfassung des Liber de baptismo, 1 ) die Antwort
auf Karls Rundschreiben.
Nach einer etwa zehnjährigen Amtsführung starb Odilbert
am 25. Februar 814 und wurde iu S. Ambrogio begraben. 2 )
Odilberts Schrift über die Taufe gemahnt unwillkürlich an
ein Wort Hrabans. Denn ganz wie dieser in seinem Lehrbuch
über die Bildung der Geistlichen es als sein Ideal ausspricht,
nichts Eigenes geben zu wollen, 3 ) so verzichtet gleicherweise auch
der Erzbischof von Mailand durchaus darauf, etwas Neues,
Originales, Selbständiges zu bieten. Ganz wie 'Hraban sieht
er seinen Stolz und seine Pflicht ausschliesslich darin, die be-
währten Urteile kirchlicher Autoritäten aus verschiedenen Jahr-
hunderten zu wiederholen. Man müsste es befremdlich finden,
dass einer der ersten Prälaten des Reiches dem Kaiser eine
Denkschrift einzureichen wagt, die nichts anderes ist als ein
Konglomerat von unverbunden nebeneinander gestellten Ex-
cerpten aus heterogenen Schriftstellern, wenn man nicht wüsste,
dass einer der gelehrtesten Männer des 9. Jahrhunderts nicht
anders schrieb und nicht anders schreiben wollte. Odilbert ent-
spricht als litterarischer Charakter durchaus der Richtung und
dem Geschmack seiner Zeit.
Ja die Ähnlichkeit zwischen Hraban und Odilbert ist in
') Es empfiehlt sich diesen der Schrift Odilberts bereits von Mabillon
beigelegten einfachen Titel beizubehalten, statt des auch gebräuchlichen
Liber de sacramento baptismi et eius caerimoniis.
') Den Tag nach Papebroch und Dümmler. Die Angabe bei Ughelli :
27. April beruht vermutlich auf Verwechselung von V. Kai. Mart. und
V. Kai. Mai. — Das Jahr 814 geben auch Jane und Boretius an, während
Dümmler (1. c. p. 164) 813 herausrechnet.
») De clericor. institut., praef. Ml. 107, 296: Confido omnipotentis
dei gratiae, quod fidem et sensum catholicum in omnibus tenuerim nec
per me quasi ex me ea protuli, sed auetoritati innitens maiorum
per omnia illorum vestigia sum secutus. Cyprianum dico atque Hilarium,
Ambrosium, Hieronymum. Augustinum, Gregorium, loannem, Damasum,
Gassiodorum et caeteros nonnullos, quorum dicta alieubi in ipso opere ita
ut ab eis scripta sunt per convenientiam posui, alieubi quoque eorum sen-
sum meis verbis propter brevitatem operis strictim enuntiavi. Interdum
vero ubi necesse fuit secundum exemplar eorum quaedam sensu meo
protuli.
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II. Odilbert von Mailand und seine Schrift. 13
formeller Hinsicht Doch frappanter. Bei beiden herrscht das
wörtliche Citat vor. Auch Odilbert findet sich nicht eiDmal
berechtigt, das fremde Gut irgendwie schön zu verarbeiten.
Vielmehr geht sein Respekt vor dem litterarischen Eigentum
soweit, dass er jedesmal den Gewährsmann, hier und da auch
die Fundstätte genau angibt. Aus einer Anzahl von Büchern,
die in seiner Bibliothek vor ihm stehen, nimmt er die passen-
den Citate heraus. Und nur darin dürfte seine eigne geistige
Arbeit bestanden haben, dass er nicht gerade die ungeschick-
testen Stellen auswählte. 1 ) Ja so konsequent ist Odilbert in
diesem seinem Verfahren, dass man sich veranlasst fühlt, auch
da, wo er seinen Gewährsmann nicht mit Namen anführt,
gleichwohl nach einem solchen zu suchen und dem Erzbischof
somit auch den geringsten eignen Beitrag abzusprechen.
Was nun diese von Odilbert herangezogenen Autoritäten
selbst anbetrifft, so ist ihre Verwendung nicht ohne Interesse
und teilweise nicht ohne principielle Bedeutung.
Nur sieben Stellen entnahm er der heiligen Schrift, unter
denen drei Worte Jesu (Matth. 28, 19. Mark. 16, 16. Joh. 3, 6),
den Taufbefehl und die Taufverheissung ausmachend, das erste
Kapitel bilden. Eines dieser Worte (Mark. 16, 16) kehrt
später (c. XIV) wieder, und ein viertes Evangeliencitat (Joh.
6, 57 c. XX) dient nur als Grundlage für ein augustinisches
Excerpt. Dagegen figurieren je ein Wort des Salomo (Pred.
9, 8 c. XIX) und des Paulus (Ephes. 5, 26 c. III) als wirk-
liche Schriftbeweise.
Unter den citierten Vätern ist der älteste Cyprian. Aus
seiner Schrift De dominica oratione zog Odilbert denjenigen
Passus in der Erklärung der vierten Bitte heran, welcher vom
Abendmahl handelt. Und ausserdem verwendete er charakte-
ristischerweise bei Besprechung der bischöflichen Handauf-
legung drei Stellen aus dem 72., 73. und 74. Briefe Cyprians.
Aus Augustins Johanneskommentar stammen die Defini-
tionen von Taufe und Abendmahl.
Um die Notwendigkeit der Exsutflation einzuschärfen, wird
eine in den Dekretaliensammlungen häufig wiederkehrende
*) Vgl. hierzu Hauck, Kirchengesch. Deutsch!. II 580.
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II. Odilbert von Mailand und seine Schrift.
Verfügung Papst Cälestins I. an die Bischöfe von Gallien be-
nutzt, welche eine Taufe ohne das hergebrachte Kompetenten-
ceremoniell vorzunehmen verbietet.
Bei Besprechung des Effeta finden die Moralien Gregors
des Grossen zweimal Verwendung, an dieser Stelle wenig passend
und obendrein mit ungenauem Wortlaut.
Bessere Hilfe boten die liturgischen Sammelwerke des
Ambrosius und Isidor. Des ersteren Schrift De mysteriis wird
fünfmal, De sacramentis zweimal citiert. 1 ) Ferner hat Odilbert
zwei Stellen aus den Etymologien des Isidor genommen und
vom 2. Buch der Offizien die Kap. 21 — 23, 25—26 in zehn
Citaten fast vollständig ausgeschrieben.
Das letztere gilt auch von der verhältnismässig wenig be-
kannten Schrift De variis ritibus ad baptismum pertinentibus
et aliis observatione dignis, einem Briefe, in welchem der
römische Diakon Johannes dem Patricier Senarius, einem Comes
Patrimonii oder Domänenverwalter im Dienste Theodorichs des
Grossen, allerlei Fragen über liturgische Dinge beantwortet.
Dieser im Anfang des 6. Jahrhunderts lebende Johannes wird
nicht weniger als vierzehnmal genannt, und zwar finden sich
sämtliche Citate in den Kap. 3—7 seiner erwähnten Schrift.
Nur an acht Stellen wird der Gewährsmann von Odilbert
nicht kenntlich gemacht. Entweder weiss er seinen Namen
selbst nicht, so bei dem „quidam" c. X, oder er irrt sich in
dem Namen, so wenn er c. VIII und c. IX zwei Stücke dem
Isidor zuweist, die sich gleichwohl nicht in Isidors Schriften
finden, oder wenn er c. XX durch ein zweimaliges „item" aus-
drücken zu wollen scheint, dass auch die folgenden Abschnitte
von dem an vorhergehender Stelle genannten Autor, nämlich
von Augustin, sind, was indessen nicht der Fall ist.
Solche unsicheren Citate zu verwenden mochte sich Odil-
bert dann ganz besonders veranlasst sehen, wenn dieselben zu
seiner Zeit gäng und gäbe waren und anderweitig gern heran-
gezogen wurden. Dies gilt von der Definition der Begriffe
Skrutinium und Symbolum, welche in c. VIII bezw. c. IX fälsch-
') Über Ambrosius als Verfasser von De sacramentis vgl. Dom Ger-
main Morin in der Rev. Bened. 1894 p. 343 sqq.; 1895 p. 386; 1897 p. 195.
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II. Odilbert von Mailand und seine Schrift.
15
lieh dem Isidor zugeschrieben werden, und die sich gleich-
zeitig in den Collectanea dicta de antiquis ritibus baptismi
eorumque significatu 1 ) bezw. bei Hrabanus Maurus 2 ) finden;
und ebenso ist es bei der kurzen Notiz über die Schultersalbung
in c. XIII der Fall, welche Odilbert „alibi" gefunden hat,
d. h. wohl in jenem überaus häufig begegnenden offiziellen
Schema des Taufritus, welches unter anderen auch Alkuin in
zwei seiner Briefe aufgenommen hat.
So dürften denn als eignes Gut des Odilbert schliesslich
nur der Schlusssatz von c. VII und der Eingang von c. XX.
übrig bleiben.
Die Schrift schliesst sich ohne Titel direkt an die beiden
Briefe des Kaisers und des Erzbischofs an. Sie zerfällt in
eine Einleitung (c. I — III) und vier Abschnitte (c. IV— XXII).
Die Einleitung bietet in c. I die biblischen Aussagen über die
Taufe, erklärt in c. II Name und Begriff der Taufe durchweg
mit Worten Isidors und weist in c. III im Anschluss an Am-
brosius die Wirkungen der Taufe nach, sofern dieselbe eine
unumgänglich notwendige Verbindung von Wasser und Wort
repräsentiert.
Des weiteren handelt der erste Abschnitt (c. IV — VI) vom
Katechumenat , der zweite (c. VII — XII) von der Taufvor-
bereitung, der dritte (c. XIII — XVI) vom Taufakt, der vierte
(c. XVII— XXII) von den unmittelbar auf die Taufe selbst
folgenden Ceremonien.
Der Kaiser hat laut seines Fragebogen auch über die
„Credulitas" seiner Erzbischöfe Auskunft zu erhalten ge-
wünscht. 3 ) Odilbert ist ihm die Antwort darauf schuldig ge-
blieben, und wir wissen nicht, ob Karl diese Unterlassung über-
sehen oder etwa ähnlich gerügt hat wie bei Leidrad von Lyon
die nicht genügende Erklärung der Abrenuntiation. 4 ) Nur
das steht fest, dass spätere Leser der Odilbertschen Schrift
an dem Fehlen der „Credulitas" Anstoss genommen haben und
l ) Vgl. oben S. 8 Anna. 3.
) De clericor. institut. II 56. Vgl. Hauck, Kirchengesch. Deutschi.
II 583 Anm. 2.
3 ) Vgl. oben S. 4.
*) Vgl. oben S. 5 Anm. 1.
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II. Odilbert von Mailand und seine Schrift,
bestrebt gewesen sind, diese Versäumnis des Verfassers nach-
zuholen. Sie thaten, was auch Odilbert gethan haben würde,
und was Hraban jedenfalls gethan hatte, sie nahmen die „Credu-
Utas" aus Isidors Offizien herüber. 1 ) Nur wie dieser Zusatz mit
der Odilbertschen Schrift am besten zu vereinigen sei, darüber
konnte man im Zweifel sein, denn die Zahl der zweiundzwanzig
Odilbertschen Kapitel durfte nicht alteriert werden. So findet
sich denn im Codex von St. Paul die „Credulitas" als selb-
ständiger Anhang hinter dem Traktat und zwar noch hinter
der Schlussbitte des Schreibers , 2 ) während der Münchener
Codex sie scheinbar organisch, in Wirklichkeit aber sehr unge-
schickt dem c. XVI eingliedert. 8 ) Beide Male aber zeigt sich,
wie wenig der Verbesserer seiner Aufgabe gewachsen war;
denn was unter dem Titel „Regula fidei" die vermisste „Cre-
dulitas" Odilberts ersetzen soll, verdient diesen Namen nur im
ersten Teile, verläuft sich aber alsdann hier wie dort in ein
regelloses Konglomerat von Excerpten, die abermals das Tauf-
ceremoniell betreffen. 4 )
») Isidor, de eccl. offic. II 24, 1 Ml. 83, 817 A. Vgl. Hraban.
Maur. de clericor. institut. II 57 Ml. 107, 369. Hauck, Kirchengesch.
Deutschi. II 583 Anm. 3. Der Abschnitt lautet: De (incipit A£) regula
fidei. Ysidorus: Post apostolorum symbolum haec est certissima fides
quam doctores nostri tradiderunt, ut profitearaur patrem et filium et
spiritum sanctum unius esse essentiae (essentiae P l , om PM) eiusdemque
potestatis et sempiternitatis (sempiternae trinitatis M) unum deum in-
visibilem, ita ut in singulis personarum proprietate servata nec substan-
tialiter trinitas dividi (nec — dividi P 1 , om PM) nec personaliter debeat
omnino confundi. Patrem quoque confiteri ingenitum. filium genitum (uni-
genitum P 1 ), spiritum sanctum neque ingenitum neque genitum sed ex
patre et filio procedentem. Die Erklärung der Siglen siehe S. 23 Anm. 2.
«) Bl. 146 und 147 a.
*)B1. :102 b. De trina mersione. Interrogatio. Incipit regula fidei. Ysi-
dorus: Post apostolorum symbolum ... Bl. 103b: . . . deo gratias. De trina
mersione. Cur trina fit mersio? Responsio: Nam qui in trinitatis nomine . . .
*) Im Codex von St. Paul folgen unter der Aufschrift: Item in
omeliis sancti Augustini, Ausschnitte über Taufe und postbaptismale Akte
aus den pseudoaugustinischen Traktaten De mysterio baptismatis und De
unctione capitis et de pedibus lavandis (August, opp. ed. Benedict. Tom.
VI Appendix Ml. 40, 1209. 1211). sodann aus Ambros. de sacrament. II 7,
24 und de myster. VII 34, 35, endlich ein in Bezug auf seine Her-
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III. Die Codices und der Text.
III. Die Codices und der Text
17
Schon vor längerer Zeit stiess ich in einer Münchener
Handschrift auf einen Abschnitt, der mich lebhaft an die
kurzen Mitteilungen erinnerte, die Mabillon in seinen Vetera
analecta aus der Schrift Odilberts gegeben hat. Aber obwohl
die Mabillonschen Bemerkungen nicht viel Originalität erhoffen
liessen, vielmehr von vornherein die Erwartungen ziemlich
her abstimmten, so glaubte ich eben doch nur ein Excerpt aus
dem echten Odilbert vor mir zu haben. Indessen sollte sich
diese Vermutung als irrig erweisen ; was damals vor mir lag, war
die Schrift Odilberts wenigstens der Hauptsache nach selbst.
Zwar meine Hoffnung, den von Mabillon benutzten Reiche-
nauer Codex in Karlsruhe zu finden, wohin die meisten Reiche-
nauer Handschriften gekommen sind, schlug fehl. Dagegen
bot mir vollständigen Ersatz ein ehemaliger Sanblasiensis, der
mit den übrigen Schätzen und Sammlungen von St. Blasien
bei der Aufhebung der vorderösterreichischen Klöster im Jahre
1807 nach St. Paul im Lavantthal (Kärnten) gekommen war.
Ja ich hege sogar die Vermutung, dass dieser Sanblasiensis
von St. Paul mit dem von Mabillon benutzten Augiensis iden-
tisch ist. Denn wie mir die Verwaltung der Grossh. Hof- und
Landesbibliothek zu Karlsruhe aufs entgegenkommendste be-
stätigte, steht die Thatsache fest, dass „ein grosser Teil der
nun in St. Paul im Lavantthale ruhenden Codices aus St. Blasien
leihweise aus der Reichenau stammt." Und ich würde sogar
an dieser Identität nicht den geringsten Zweifel hegen, wenn
mich nicht der für St. Blasien charakteristische braune Lederein-
band stutzig machte. Indessen lässt sich die Sache vielleicht so
erklären, dass die Handschrift, als Mabillon 1683 die deutschen
Bibliotheken bereiste, sich noch in Reichenau befand, 1 ) dass sie dann
kunft unbekannter Schluss, der von der Communion des Neugetauften
handelt. — Der Münchener Codex schliesst sich diesem Elaborat bis zum
Citat aus Ambros. de sacrament. einschliesslich an, fügt dann aber hinzu :
Orationes IV quaa memorat sanctus Augustinus. Ita nominat nostra trans-
latio obsecrationes orationes postulationes gratiarum actiones. Man sieht
deutlich, dass mit dem guten Willen, eine Ergänzung zu Odilbert zu
bieten. Wissen und Können des Korrektors nicht Schritt halten.
*) Noch 1779 erwähnt Ph. W. Gorken unter den 436 Handschriften,
die er in Reichenau sah, l3idori episcopi Hispalensis liber de offieiis,
Wiegand, Odilbert von Mailand. 2
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18 III. Die Codicei und der Text.
später leihweise nach St. Blasien gelangte, 1 ) hier gegen Ende des
18. Jahrhunderts aus Versehen oder mit Absicht den St. Blasiener
Einband erhielt und fortan um dieses ihres neuen Gewandes willen
nicht mehr für einen Augiensis, sondern für einen Sanblasiensis galt.
Jedenfalls beruht auf ihr so gut wie ausschliesslich unsere
Kenntnis der litterarischen Thätigkeit Odilberts, denn sie ent-
hält den Brief des Kaisers an den Erzbischof, sodann die Ant-
wort des letzteren und drittens seine Schrift über die Taufe.
Dieser Umstand wird es begreiflich erscheinen lassen, dass ich
den Codex selbst eingehend bespreche.
Die Schrift über die Taufe findet sich ausserdem, wie
schon gesagt, wenngleich mit einigen leichten Umgestaltungen,
in dem bereits erwähnten Münchener Codex.
Für den Brief des Erzbischofs an den Kaiser ist mir hin-
gegen ausser dem Codex von St. Paul keine weitere Quelle
bekannt geworden.
Dagegen ist das kaiserliche Rundschreiben in drei Aus-
fertigungen auf uns gekommen: 3 ) mit der Adresse des Amalar
im Cod. Tigurin. C. 102; mit der Adresse des Odilbert (ausser
in dem von Mabillon genannten Cod. Mettensis) im Cod. von
St. Paul; ohne Adresse im Cod. epistol. Udalrici und im Cod.
Zwetlensis 283. Da der Brief hinreichend bekannt ist, so habe
ich davon abgesehen, sämtliche Codices zur Vergleichung noch-
mals heranzuziehen und nur dankbar von den Mitteilungen
Gebrauch gemacht, die mir Herr Dr. Alfred Göldlin von
Tiefenau in Wien über den Cod. epistol. Udalrici zugehen zu
lassen die grosse Güte hatte. Dieselben ergänzen in wünschens-
werter Weise den Boretiusschen Text in den M. G. Capitul.
reg. Franc. I 246 sq.
Ich lasse nunmehr die Beschreibung der beiden Hand-
schriften von St. Paul und München folgen.
codex membr. in 8vo saec. VIII sive initio IX Iiteris Merovingicis scrip-
tus (Reisen durch Schwaben, Baiern u. 8. w. 1783 I 165), unter welchem
Titel unser Codex wahrscheinlich gegangen ist. Siehe unten S. 19. 20 f.
*) Seitdem 1760. also drei Jahre nach Aufhebung des Klosters, die
Reichenauer Bibliothek von Martin Gerbert offiziell katalogisiert war
(Gerbert, Iter Alemann. 1773 p. 287), dürfte sie auch anderen St. Blasiener
Gelehrten ohne Schwierigkeiten zugänglich gewesen sein.
*) Siehe oben S. 1 Anm. 2.
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III. Die Codices and der Text
19
1. Cod. S. Pauli in Karinth. XXV |-.
Pergam. 168 BL 8. long. (7/8 X 17/18) 10. Jahrh. Papp-
band mit braunem Leder überzogen, dessen Ränder nicht fest-
geklebt sind ; auf dem Rücken : Isidoms Hispalensis. Beide Deckel
innen mit beschriebenen Pergamentblättern beklebt. Hinten ein
als BL 169 gezähltes, verkehrt eingeklebtes Pergamentblatt, mit
Messgebeten beschrieben. 21 Lagen : Quaternio 1 — 14 regelmässig,
Quaternio 15 mit eingeklebtem BL 114, Ternio 16, Quinnio 17,
Quaternio 18 — 20 regelmässig, Quaternio 21 aussieben zusammen-
geklebten Blättern bestehend. Signierung hinten unten : Lage 2 — 6
B — F jeder Buchstabe von vier Punkten eingefasst; Lage 7 mit
ausradiertem H, neben welchem g; ebenso mit kleinen Buch-
staben signiert Lage 8. 9. 11 — 14 und 16 ; mit Rotstiftsignierung
Lage 1. 10. 15. 18—21 ; Quinnio 17 ohne Signierung. Hinter BL 18
und BL 67 je ein den Inhalt der vorhergehenden bezw. folgenden
Seite ergänzender Schaltfetzen. Das Pergament von sehr ver-
schiedener Qualität. Schriftzüge, Zeilenzahl und Tinte wechseln
wiederholt mitten in einer Lage; so entsprechen sich BL 1. 2
und 7. 8 mit jüngerer Schrift (10. Jahrh.) und blasser Tinte,
während BL 3—6 und Lage 2 — 7 wieder zusammengehören
(9. Jahrh.); in Lage 10 haben BL 74 und 79 je 27, alle übrigen
nur 22 Zeilen. Auch sonst wechselt die Zeilenzahl; Lage
1—6: 22, 7: 21, 8—9: 28, 10: 22 bezw. 27, 11—13: 28,
14—17: 27, 18—21: 28 Zeilen. In der Hauptsache stammt
die Handschrift aus dem 10. Jahrhundert; nicht jünger dürfte
auch der Korrektor sein, der durchweg mit blasser Tinte nach-
gebessert hat.
Leer geblieben waren ursprünglich BL l r . 137 v , halb. 168 v ,
halb. Von ihnen enthalten jetzt BL lr zwei Gebete Ad mo-
nachum consecrandum (11. Jahrh.), BL 137 v ein Stück eines
Redemtionenverzeichnisses : x ) Pro uno anno quando in pane et
*) Über Redemtionen vgl. Schmitz, D. Bussbücher u. d. Bussdisciplin
d. Kirche I 144—157. Seeberg, Lehrb. d. Dogmengesch. II 30f. Ähn-
liche Verzeichnisse bei Morinus, Comment. bist, de sacram. poenit. 1702.
X 16. Wasserschieben, Bussordnung d. abendl. Kirche, passim. Schmitz
a. a. O. II passim. Über Palmaten vgl. Wetzer u. Welte, Kirchenlexikon
(2) IX 1317 f.
2*
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III. Die Codices und der Text.
aqua debet penitere, canat psalmus XIIII milia ienua flectendo,
hoc sunt psalteria 5. XCVI. Et sine genua flectendo psalmus
2£V milia, hoc sunt psalteria C III. Et pro uno solido psal-
mus DC, hoc sunt psalteria Uli genua flectendo. Pro V solidos
missas speciales VI psalmos L palmatas C. Pro I solido
missa speciales I psalmus L palmatas L. Pro uno anno
missas speciales XXX. Pro XXX denarios psalterium I.
Pro untias III psalterios II. Pro untias VI psalterios 1H.
Pro solidos XII psalterios VI. Pro solidos XX psalterios VIII.
XXIIII missas speciales pro psalterios VIII.
Inhalt. 1) Isidori Hispal. de ecdesiasticis officiis libri (Ml. 83,
737—826).
Bl. l v : Incipit praefatio libri officiorum sancti Ysidori.
Domino meo et dei servo .... Quaeris a me originem . . .
Explicit praefatio.
Incipiunt capitula. I. De ecclesia vel vocabulo christia-
norum
Bl. 2 bei V. De psalmis die Randbemerkung: Perfecta vox
est alta clara et suavis. Alta ut in sublime sufficiat, clara ut
aures adimpleat, suavis ut animos audientium blandiatur. An-
tiqui cantores pridie quam cantandum erat, abstinenti salibus
utebantur leguminibus, unde vulgo fabiarii vocantur. Nota quid
deceat cbristianum, si hoc fecere gentiles.
Bl. 2 V . . . . XLIII1. De carnium esu vel piscium. Ex-
pliciunt capitula.
Bl. 3. Item incipit prologus de origine officiorum. Ea
quae in officiis aecclesiasticis ....
Bl. 52: . . . Explicit über primus Ysidori sancti episcopi
iunioris Spaniensis. Incipit liber secundus.
Bl. 52*: Quoniam originis causasque officiorum .... In-
cipiunt capitula libri secundi. I. De clericis .... XXVI. De
manus inpositione vel confirmatione.
Bl. 53: Expliciunt capitula. Incipit liber secundus. Ita-
que omnes qui in ecclesiastici ....
Bl. 100: . . . Explicit liber secundus Esidori episcopi iuni-
oris Spanensis de origine et generibus officiorum.
2) Isid&ri Hispal. differentiamm liber secundus. De differentiis
rerum (Ml. 83, 69—98).
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III. Die Codices und der Text.
21
Bl. 100: Incipit III differenciarum eiusdem. Inter deum
et dominum . . .
Bl. 133 v : XLII. De distinctionibus quattuor yiciorum.
Contra haec tarnen . . . = Ml. 83, 95 Cap. XL.
Bl. 136 *: ... et tartari inferna promeruit {Ml. 83, 98).
Es folgen noch: XLIII. Inter iusticiam et iudicium. XLIV.
Inter castitatem et continentiam. XLV. Inter adulterium et
fornicationem. XL VI. Inter impium et peccatorem. XL VII.
Inter iniquitatem et peccatum, welche bei Migne bexw. Arevalo
nicht abgedruckt sind.
Bl. 137": Dispositis nonnullis differentiarum sententiis dein-
ceps sacramentorum aecclesiasticorum distinctio subiciatur. Quid
ergo inter caticuminum et competentem vel christianum distin-
guitur, agnoscamus. Omnis enim qui sacramenti consequi fidem
nititur, prius caticuminus, dehinc conpetens vel electus, post mo-
dum fidelis, ad ultimum christianus efficitur. Dum enim quique
a gentilitate conversus symbolum accipiat verbique dei auditor
efficiatur, caticuminus nominatur. Hic primura tantum inun-
guitur, nondum tarnen baptizatur, iuxta quod ait sanctus Augus-
tinus : Caticuminus tantum inunctus est et nondum tarnen lotus
est. Hiermit bricht der erste Teil der Handschrift mitten au f der Seite ab.
3) Bl. 138 : Aar;« Brief an Odübert : In nomine patris et filii . . .
Bl. 139: Odilberts Brief an Karl: Domino christianissimo et
a deo ....
Bl. 140 v : Odilberts Schrift über Taufe und Taufceremonien :
... De baptismi precepto. In evangelio.
4) Bl. 146: Ysidorus de regula fidei. Post apostolorum
symbolum . . .
Bl. 147: . . . quatenus ad vi tarn aeternam valeant pervenire.
o) Erklärung des Taufordo in 11 Capiteln von einem unbekannten
Verfasser :
Bl. 147: Cap. I. Cur caticuminus infans efficitur? Cati-
cuminus ideo primo efficitur infans .... Cap. IL Scrutinium
est illud quo a sacerdotibus ....
Bl. 147 v : . . . Cap. III. Symbolum grece dicitur quod in
latino . . . Cap. IV. Abrenuntiare quidem est despicere atque
derelinquiere ....
Bl. 148 : . . . Cap. V. Exorcismum grece latine coniuratio
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22
III. Die Codices und der Text.
sive sermo . . . Cap. VI. Sal autem in rainisterio caticuminus
dandus a patribus .... Cap. VII. Nares ideo tanguntur de
sputo et aures et effeta dicitur ....
Bl. 148* ': . . . Cap. VIII. Pectus vero ideo unguitur deo
scapulaeque signantur . . .
Bl. 149: . . . Cap. Villi. AI bis vestibus propterea indu-
untur in Christo renati .... Cap. X. Crisma grece latine
unctio nominatur, ex cuius nomine .... cap. XI.
Bl. 149*: Corpore autem et sanguine dominico ideo con-
firmantur ....
6") Schetna des fränkischen Taufordo. Aufgenommen unt.
and. in Alcuini epist. 261 ad Oduinum. Jaß, Monument. Alcuiniana
p. 824 sq. Bl. 149*: . . . Ratio de sacro baptismate. Primo
paganus caticuminus fit accedens ad baptismum ....
Bl. 150: ... . qui fuit in baptismo per gratiam yitae do-
natus aeternae. Explicit.
7) Excerpt aus Hrabans Schrift De vistitatione clericorum Buch I
und II. Vgl. Ml. 107, 297—378.
Bl. 150 *: Incipiunt capitula excerptionis sequentis. I. De
una dei ecclesia catholica .... XXXIII. De ordine nrissae.
1. Aecclesia ergo dei catholica a Christi nomine ....
Bl. 157: . . . . sacerdotis. Tunc praedicetur a diacono ü-
centia eundi peracta missa. Prior libellus finitur.
Capitula libri secundi. Primum. De officiis et orationibus
canonicarum horarum ....
Bl. 157 v : . . . LVIII. De heresibus variis. Incipit liber se-
cundus. I. Explicato missae ab apostolis et apostolicis viris . . .
Bl. 168*: . . . licet de ecclesia non recesserit tarnen here-
ticus appellari potest. Explicit Uber II.
2. Cod. lat. Monac. 14581 (Em. F. 84). Pergam. 4.
Bl. 1—163. 11. Jahrh. Bl. 164—174. 14. Jahrh. Über
den Inhalt der Handschrift vgl. Catalogus cod. latin. biblioth.
reg. Monacensis Tom. II pars II p. 196 sq.
Cod. Monac. bietet die Arbeit Odilberts nicht als selbst-
ständige Schrift, wie er denn auch die beiden Briefe des Kaisers
und des Erzbischofs nicht erwähnt, sondern als Bestandteil
eines Konglomerats von Excerpten über die Taufe (Bl. 97 — 108),
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in. Die Codices und der Text. 23
das (Bl. 97) den Titel führt: Incipit Uber III de officio et
ordine baptisterii ex autenticis libris prudenter collectus, ohne
dass klar ersichtlich wäre, welche unter den voraufgehenden
Schriften als liber I und über II (vgl. Bl. 78: In Christi
nomine incipit liber II de officio missae scilicet expositio
ethica et theorica per interrogationem et responsionem a quo-
dam sapiente edita und Bl. 108: Incipit Uber IUI de aecclesia-
sticis institutis ex kanonica auctoritate prolatis atque capitulatim
degestis allocutio pontificia ad sacerdotes) gedacht sind. Und
zwar sind in diesem Abschnitt Bl. 100 — 105 identisch mit
Odilberts Schrift über die Taufe abgesehen von der einge-
sprengten Regula fidei (Bl. 102 v — 103 V)
Interessant aber ist, dass im Cod. Monac. die Schrift Odil-
berts nicht in der ursprünglichen Form erscheint, sondern
dass die einzelnen Kapitel sehr hölzern in Frage und Antwort
gestellt sind. Meist ist nur die alte Überschrift in eine Frage
umgewandelt, und das Kapitel selbst folgt mit unbedeutender
Veränderung der Anfangsworte als Antwort. Dabei bleiben die
von Odilbert geflissentlich namhaft gemachten Gewährsmänner
nunmehr ungenannt. Aus der die Meinungen der Väter referieren-
den Denkschrift Odilberts über die Taufceremonien ist ein Schul-
buch geworden, eine Art viertes Hauptstück über die Taufe,
nur dass es nicht mit der Gemeinde eingeübt worden sein
dürfte, sondern mit dem jungen Klerus in den Klosterschulen.
1. Karoli M. ad Odilbertum epistola. 2 )
In nomine patris et filii et Spiritus sancti. Karolus Sere-
nissimus augustus a deo coronatus, magnus pacificus imperator
Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei
rex Franchorum et Langobardorum, Odilberto venerabili archie- 5
piscopo in domino salutem.
*) Siehe oben S. 16 Anm. 3. 4.
*) Abkürzungen im Folgenden: Cod. St. Pauli in Karinth. XXV y
(= P). Cod. lat. Monac. 14581 (= M). Cod. Vindob. iur. can. 46, nunc.
398 (= V). Boretius M. G. Capit. reg. Franc. (=Bor). Jaffe Monum. Carol.
(= Jaf). Die Zahlen im Apparat bezeichnen die Zeilen des Textes. Abge-
sehen Ton Kleinigkeiten ist die Überlieferung ziemlich übereinstimmend.
6 Bor Francorum. — P Odilberto 7 N. Txdt supra p. 2.
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24
III. Die Codices and der Text.
Saephi8 tecum immo et cum ceteris collegis tuis familiäre
conloquium de utilitate sanctae dei ecclesiae habere voluisse-
mus, si absque molestia corporali id effici potuisset. Sed
quamvis sanctitatem tuam in divinis rebus tota inten tioüe vigi-
5 lare non ignoremus, omittere tarnen non possumus, quin tuam
devotionem sancto incitante spiritu nostris apicibus conpellamus
atque commoneamus, ut magis ac magis in sancta dei ecclesia
studiose ac vigilanti cura laborare studeas in praedicatione
sancta et doctrina salutari, quatenus per tuam devotissimam
10 sollertiam verbum vitae aeternae crescat et currat, et multipli-
cetur numerus populi christiani in laudem et gloriam salvatoris
nostri dei.
Nosse itaque per tua scripta aut per te ipsum volmnus,
qualiter tu et suffraganei tui doceatis et instruatis sacerdotes
16 dei et plebem vobis commissam de baptismi sacramento, id est
cur'primo infans catechumenus efficitur vel quid sit catechumenus.
Deinde per ordinem omnia quae aguntur. De scrutinio, quid
sit scrutinium. De symbolo, quae sit eius interpretatio se-
cundum Latinos. De credulitate, quomodo credendum sit in
20 deum patrem omnipotentem, et in Iesum Christum filium eius
natum et passum, et in spiritum sanctum, sanctam ecclesiam
catholicam et cetera quae sequuntur in eodem symbolo. De ab-
renuntiatione satanae et omnibus operibus eius atque pompis,
quid sit abrenuntiatio vel quae opera diaboli et pompae eius.
25 Cur insufflatur vel cur exorcizatur. Cur catechumenus accipit
salem. Quare tangantur nares , pectus ungatur oleo , cur sca-
pulae signantur. Quare pectus et scapulae liniantur. Cur albis
induitur vestimentis. Cur sacro chrismate caput perungitur et
mystico tegitur velamine. Vel cur corpore et sanguine do-
30 minico confirmatur.
1 P V sepius. — * V om dei. — P V aecclesiae. — 3 P V efficere.
— 6 V om tarnen. — 6 V nostris conpellamus atque commoneamus apici-
bus. — 7 P V aecclesia. — 8 Jaf predicatione. — 18 P V catecuminus
— catecuminus — 18 7 quid. — 81 PV aecclesiam. — 24 PV secuntur. —
J3 PV satane. — 24 PV eius diaboli et pompae. — 35 PV exorzizatur. —
PF catecuminus. — V accipiat. — 29 V cur tanguntur nares. — Fcur
pectus. — P unguatur. — V scapuli. — S1 V signentur — V om quare
pectus et scapulae liniantur. cur albis induitur vestimentis. — M PF cris-
mate. — P perunguitur. — 30 V confirmetur.
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III. Die Codices und der Text. 25
Haec omnia subtili indagine per scripta nobis sicut dixi-
mus nuntiare satage, vel si ita teneas et praedices aut si
in hoc quod praedicas te ipsum custodias.
Bene vale et ora pro nobis.
2. Odüberti ad Karolum M. respontum 5
Domino christianissimo et a deo conservato Karolo invi-
ctissimo atque piissimo imperatori Odilbertus servus servorum
dei, sanctae vestrae Mediolanensis ecclesiae archiepiscopus et
orator vester, perennem in Christo domino salutem.
Igitur inmensae oranipotentis dei nostri misericordiae sine 10
intermissione omnibus nobis peragendae sunt gratiae, quae vos
in tarn sublimissimam dignitatem collocavit imperii, simulque
provolutis genibus omnes eiusdem redemptoris nostri supplice-
mus clementiam, ut vitam vestram atque incoluraitatem per
multorum annorum curricula ad profectum omnium ecclesia- 15
rum dei sive et fidelium populorum vobis a deo commissorum
conservare dignetur, quia in vestra tranquillitate salutem nostro-
rum omnium adesse cognoscimus atque tenemus, qui vos solli-
citudinem habentes orthodoxae fidei magis prae ceteris om-
nibus qui ante vos christiani imperatores in universo mundo 20
fuerunt devotione. Quique divino zelo commoti, id est Constan-
tinus Theodosius maior Martianus et Iustinianus, hi omnes,
ut christianum populum ab omni erroris macula liberarent, di-
vinitus inspirati quae domini sacerdotes diffiniebant, illa tarnen
principali auctoritate confirmabant. Quorum vos meritis et seien- 25
tia praecellentes , David sanetum imitantes qui se pro populi
salute in typo nostri exhibuit redemptoris, qui vos — strenuus
cultor — pro credulitate rectae fidei divino amore accensi de
domino nostro Iesu Christo dei omnipotentis filio per omnia et
super omnia, qui, cum sit „splendor gloriae et imago substantiae 30
eius" et „candor lucis aeternae", „propter nimiam caritatem qua
dilexit nos" „semetipsum exinanivit", et iuxta apostolicam aueto-
2 Jaf predices. — 8 Jaf predicas. — P custodies. — 4 V valeas. —
8 P aecclesiae. — 18 P supplicamus. — 14 P incolomitatem. — 15 P aec-
clesiarum. — 19 P orthodoxe. — Jaf pre. — P principalis auetoritas
confirmabat. — 3 * P Jaf semet ipsum.
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III. Die Codices und der Text.
ritatem vel cetera quae sequuntur, exhibuit sibi „gloriosani
ecclesiam non babentem maculam neque rugam", cuius ab-
luens peccati contagium pretioso sanguine suo, redemptioni
nostrae tribuens sacramenta, et per actum mysterium post aa-
5 censionem suam qua ad patrem ascendit, apostolica traditione
nos confirmans. Qua fidei integritate universis gentibus apostoli
praedicaverunt , ut nullis ventorum flatibus aut ictibus ad-
versantium conquassetur ecclesia Christi, sed in vero atque
perpetuo fundamine permanendo constabilita persistat, sie et
10 nos confinnati sanetorum patrum spiritalibus instrumentis et
corroborati, inviolata fide et inlibata de credulitate patris et
filii et spiritus saneti rectam fidem credimus atque tenemus.
Sed quid rebgioso convenit prineipi, ut super omnes polleat
adversos, nisi de bonis sit Semper sollicitus libenter operibus?
15 Quod vestra sincera pietas summo ainplectit studio, ut neque
in qualibet parte ecclesia dei vulnerum maculis torpeat, aut in
ea sanies ignorantiae crescendo ebulliat, sed ut magis vestris
felicissimis temporibus sacerdotum dei corda accensa ad solli-
citudinem sint, evigilando yera et recta custodia perseveret, et vos
20 pro tanti vestri laboris certamine aeterna praemia a domino
consequi valeatis. Sed nec aliquem nostrum existimamus qui
verbis eloquii atque cogitatione capi possit, ut putet se omuia
mysteria caelestia liquido conprebensa tenere.
Suscipientes nos itaque epistolam a pietate vestri imperii
25 nobis emissam , qua perfecta redolentiam sensimus nectarei
suavissimi nimio flagrante odore, multimodas deo nostro gratias
referentes, qui in corda vestra inspirare dignatus est pro statu
ecclesiae suae, quod a dementia vestra commoniti, rationem
verae fidei et quaeque per ordinem gerimus atque docemus
30 a nobis cognosci debeatis.
Itaque, etsi ad id quod dominatio vestra flagitat, plenius
a nobis ipsis nequimus responsa proponi, oportet tarnen ut
quanto pauperiores nos cognoseimus esse in nostris responsis,
tanto magis in scripturis sanetis convenit fieri devotiores, ut
1 P secuntur. — 2 P aecclesiam. — P 1 aut. — 6 P confirmati. —
7 Bor actibuß. — 8 P aecclesia. — 14 P bonis. Sed. — 15 Jaf aplectit.
— 16 P aecclesia. — 17 P quod. — 19 P om sint. — 81 P ne. — M P Jaf
multimodis P l Bor multimodas. — 27 P nostra P 1 vestra. — 24 P aecclesiae.
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III. Die Codices und der Text.
27
qui propriis sermonibus minores sumus, in dicendo sanctorum
quoque testimoniis adcrescere valeamus, et de eruditissimorum
labore, qui nihil in scripturis divinis obscurum reliquerunt vel
clausuni quod ad veram non perducerent claritatem et „Davidi-
cam clavem acceperunt, ut aperirent", nobis etiam tribuendo 5
proficerent in salutem, et labor sanctorum nos inertes securiores
et paratos faceret ad danda responsa. Haec nos vero non per
prolixitatem verborum scribendi compendiose temptavimus, sed
yalde subiecti per humilitatem veram pietati vestrae constrin-
gentes breviter perscripsimus , currentes per sanctorum patrum 10
exempla ad significandum dignissimae praesentiae vestrae,
quae velut mirificis floribus ex nimio rutilat ornata flagranti
odore, auri ac pretiosarum devincens gemmarum splendorem, cre-
scente vobis cum pietate sapieutia. Et adesse Semper tenemus,
a quo veluti vivo fönte et ad instar fluminis ad singulorum inrigan- 15
da corda dulcedine nimia profluente, mellis et butyri emanante,
longe lateque decurrens telluris ariditatem per fusionem sui
implet. Unde petimus, ut dulcia nobis dona magnifici eloquii
v es tri tribuere dignemini. Sed sicut solis radii mundum inluminant,
ita scientia nostra sanctae vestrae doctrinae dono circumfusa 20
fulgescat. Quia quod nobis adipiscendum pro nostra inquisi-
tione laboriosum esse conspicimus, vos vero plenius, dispen-
satione dei sancto affluente in visceribus vestris spiritu, niani-
festare et aperire sacramenta divioa valetis.
Dominus omnipotens prolixa per tempora gloriam imperii 25
vestri incolumem conservare dignetur. Amen.
3. Odilberti liber de baptismo.
I. De baptismi praecepto in evangelio.
Ite, inquit Iesus discipulis suis, docete omnes
gentes baptizantes eos in nomine patris et filii et Spiritus sancti 30
(Matth. 28, 19). Et qui crediderit et baptizatus fuerit, salvus
erit (Marc. 16, 16). Itemque nisi quis renatus fuerit ex aqua
8 P ut acceperunt aperirent. — 11 Jaf presentiae. — 11 P om splen-
dorem. — 15 Bor velut a vivo. — 10 MabiUon tribuatis P om dignemini.
— M P incolomem. — M M De baptismi. Interrogatio: Ubi est baptismi
praeceptura? Responsio: Ubi dominus discipulis suis ait: Ite docete. —
S1 M om et.
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III. Die Codices und der Text.
et spiritu sancto, non potest introire in regnum caelorum
(loh. 3, 5).
II. De interpretatione baptismi.
Isidorus. Isidorus inquit in ethimologiarum:
5 ßaptismum, inquit, graece. latine tinctio dicitur. Quae idcirco
tinctio dicitur, quia ibi homo spiritu gratiae in melius mutatur
{Isidor, etymolog. lib. VI c. 19, 43 Ml. 82, 256 A). Alibi idem:
Baptismum enim aqua est, quae tempore passionis de latere
Christi profluxit {Isidor, de eccl. offw. lib. II c, 25, 3 Ml. 83, 821 Ä).
10 Coepit ergo perfectum baptismum ad nomen Iesu. Ipse enim
baptizavit primum in spiritu sancto {Isidor, de eccles. offic. lib.
II c. 25, 2 Ml. 83, 820 B).
III. De sacramento baptismi vel quod sit in verbo et aqua.
Ambrosius: Quid enim aliud est baptismum nisi quia
15 culpa mergitur et error aboletur, pietas autem et innocentia
toto permanent? {Amln-os. de myster. c. 3, 12 Ml. 16, 409 D).
Aqua est qua caro mergitur et omne abluitur caraale peccatum
{Ambros. de myster. c. 3, 11 Ml. 16, 409 B). Mira fons amarissi-
mus erat. Misit in eum Moses {Exod. 15, 23 sqq.) lignum et dul-
20 eis est factus. Aqua enim sine praedicatione dominicae crucis
ad nullum usum futurae salutis est. Cum ergo salutaris fuerit
crucis mysterio consecrata, tunc ad usum spiritalis lavacri et
salutaris poculi temperatur {Ambros. de myster. c. 3, 14 Ml. 16,
410 A. B). Augustinus: Quid est baptismum? Lavacrum
25 aquae in verbo. Tolle aquam, non est baptismum. Tolle ver-
bum, non est baptismum {August, in loh. evang. tretet. XV n.
4 Ml. 35, 1512). Paulus: Mundans eum lavacro aquae in
verbo {Eplies. 5, 26).
8 M Interrogatio : Quid interpretatur baptismus? Responsio: Baptis-
mum enim grece, latine. — * P Ysidorus. Ysidorus. — 5 P l quod. —
M om quae idcirco tinctio dicitur. — 6 P3f spiritum. — 7 M Interrogatio :
Item alibi baptismum quid est? Responsio: Baptismum aqua quae in tem-
pore. — 10 M cepit. — 14 M Interrogatio: Quid sit baptismum? Re-
sponsio: Quid enim est aliud baptismum? — 14 M permanent tantum. —
17 P in nomine. — 18 P Mira P 1 Marath M Mara. — » M misit enim in.
— P M Moyses. — 22 M misterio. — 44 P Augustinus M Est ergo ba-
ptismum in verbo et in aqua. Interrogatio. — M Responsio: Layacrum.
— 24 M et non. — 27 P aquae M atque.
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III. Die Codices und der Text.
29
IV. De catechumenis et exorcismis.
Isidor us: Catechumeni sunt qui primum de gentilitate
veniunt habentes voluntatem credendi in Christum et quod pri-
mum exhortatiouis praeceptum est in lege (Deuter. 6, 4) : Audi
Israel, dominus deus tuus deus unus est. Unde et his per 5
sacerdotem quasi per Mosen deus primum loquitur. Catechu-
menus id est audiens nominatur, scilicet ut unum agnoscat
deum et relinquat errores varios idolorum (Isidor, de eccl. offic.
lib. II c. 21, 1 Ml. 83, 814 G). Exorcizantur autem primum,
deinde salem accipiunt et unguntur. Exorcismus autem sermo 10
increpationis est contra inmundum spiritum in energumenis
sive catechumenis factus, per quod ab Ulis diaboli nequissima
virtus et inveterata malitia vel violenta incursio expulsa fugetur.
Hoc significabat lunaticus ille (Matth. IT, 14 — 18) quem in-
crepabat dominus Iesus et exiit ab illo daemonium. Potestas 15
autem diaboli exorcizatur et insufflatur in eis, ut ei renuntient
atque eruditi a potestate tenebrarum in regnum sui domini
per sacramenta baptismatis transferantur (Isidor, de eccl. offic.
lib. II c. 21, 2 Ml. 83, 814 C — 675 Ä) et reliqua.
V. De sufflatione et exsufflatione. 20
Caelestinus papa: Cum sive parvuli sive iuvenes ad
regenerationis veniunt sacramentum, non prius fontem vitae adeant
quam exorcismis et exsufflationibus clericorum Spiritus ab eis in-
mundus abigatur (Caelest. pap. epist. XXI ad episcop. Galliar.
c. 12, 13 ML 50, 536 Ä). Iohannes: Exsufflatur igitur et 25
exorcizatur ut fugato diabolo Christo domino praeparetur
1 PM catecuminis. — 8 P Ysidorus M Quid sunt cathecumini.
Responsio: Cathecumini. — P catecumini. — 4 M exortationis P exhor-
tationes P l exhortationis. — 6 M unus deus. — • PM Moysen. — P
catecuminus M cathecuminus. — 9 P exorzizantur P l exorcizantur. —
10 P unguuntur. — M Interrogatio : Quid est exorcismus? Kesponsio:
Exorcismus. — 11 P erguminis. — 13 P catecuminis M cathecuminis. —
13 P malicia. — 15 P demonium. — 16 P exorzizatur. — 17 M eruti. —
51 P Celestinus. — 23 M exorcismus. — 84 M abigatur spiritus. — M P
exorzizatur. — M praeparatur.
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HL Die Codices und der Text.
introitus (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 3 Ml. 59, 402 A) et
reliqua.
VI. De salis acceptione.
Isidor us: Sal autem in ministerio catechumenis a pa-
5 tribus est institutum ideo dandum, ut eius gustu condimentum
sapientiae percipiant neque desipiant a sapore Christi (Isidor,
de eccl. offic. lib. II c. 21> 3 Ml. 83, 815 A). lohannes: Accipit
etiam catechumenus benedictum sal in quo Signatur, quia sicut
omnis caro sale condita salvatur, ita sale sapientiae et praedi-
10 cationis verbi dei mens fiuctibus saeculi madida et fluxa con-
ditur, ut ad soliditatem stabilitatis digesto penitus corruptionis
humore divini salis suavitate perveniat (Iohann. Diac. epist.
ad Senar. c. 3 Ml. 59, 402 A. B).
VII. De competentibu8.
15 Isidorus: Post catechumenum enim secundue competen-
tium gradus est. Competentes autem sunt qui iam post doc-
trinam fidei, post poenitentiam vitae ad gratiam Christi per-
cipiendam festinant. Ideoque appellantur competentes id est
gratiam Christi petentes. Kam catechumeni tantum audiunt,
20 necdum petunt. Sunt enim quasi hospites et vicini fidelium,
deforis audiunt mysteria, audiunt gratiam, sed adhuc appellan-
tur inhdeles. Competentes autem iam petunt iam accipiunt iam
catechizantur id est imbuuntur instructione sacramentorum.
Ipsis enim salutare symbolum traditur quasi commonitorium
25 fidei et sanctae confessionis indicium quo instructi agnoscant,
quales iam ad gratiam Christi exhibere se debeant (Isidor.
* P Ysidorus. M Interrogatio : Cur sal a patribus est institutum.
Responsio. — P catecuminis M cathecuminis. — 6 M om eius. — a P
dissipiant. — 8 P catecuminus M cathecuminus. — M sal benedictum.
— 14 PM conpetentibus. — 16 P Ysidorus. M Interrogatio : Quis est se-
cundus gradus? Responsio. — P catecuminum M cathecuminos. — M
etiam. — P conpetentium. — 14 M est conpetentium. — P conpetentes
M Interrogatio : Conpetentes quis? Responsio: Conpetentes. — 17 PM pe-
nitentiam. — 18 PM conpetentes. — 19 P catecumini M cathecumini. —
•* PM conpetentes. — " P cathecizantur M catezizantur. — P inbuuntur.
— «* M inditium. — P agnoscunt.
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I
III. Die Codice« und der Text.
31
de eccl. offic. lib. II c. 22, 1. 2 Ml. 83, 815 B. C). In his fiunt
scrutinia secundum formam Septem donorum Spiritus sancti.
VIII. De scrutinio.
Isidorus: Fiunt enim scrutinia, ut explorentur, utrum
in eadem doctrina fidei consistant qua pridem docti a sacerdo- 5
tibus fuerunt, vel si renuntient maligno spiritui atque mali-
tiae et pompis illius. (Cf. Coüectanea dieta de antiquis riHbus
baptismi eorumque sigtiificatu c. 7 Ml. 106, 56). Iohannes: Tunc
fiunt illa quae ab ecclesiastica consuetudine scrutinia dicuntur.
Perscrutamur eorum corda per fidem, utrum menti suae post 10
renuntiationem diaboli sacra verba defixerint (Iohann. Diac.
epist. ad Senar. c. 4 Ml. 59, 402 B. C) et cetera.
IX. De catecbesi vel symboli traditione.
Iobannes: Catechesis graece instructio dicitur. In-
struitur enim ecclesiastico ministerio per benedictionem im- 15
ponentis manum, ut intelligat, quid sit quid futurus sit, hoc
est ex damnabili sanctus fiat, ex iniusto iustus appareat, ad
postremum filius fiat ex servo (Ioha?m. Diac. epist. ad Senar. c.
3 Ml. 59, 401 sq.). Isidorus: Symbolum autem hoc multis
et iustissimis ex causis appellare voluerunt maiores nostri. 20
Symbolum enim graece et indicium dici potest et collatio
{Isidor, de eccl. offic. lib. II c. 23, 3 Ml. 83, 816 A. B). Est enim
symbolum signum, per quod agnoscitur deus, quod quique pro-
inde credentes accipiunt , ut noverint qualiter contra diabolum
fidei certamina praepararent, in quo quidem pauca sunt yerba, 25
sed omnia continent sacramenta. (Cf. Hraban. Maur. de clericor.
institut. lib. II c. 56 Ml. 107, 369).
2 M aancti spiritus. — 4 P Sancti Ysidori. M Interrogatio : Cur
fiunt scrutinia? Kesponsio. — * M renuntiant. — M maliciae. — ' PM aec-
clesiastica. — M dictantur. — 10 P mentis. — 11 PM definxerint. — lt M
caetera. — 1$ P catacesis P l cathacesis M cathezesis. — 14 M Iohannes.
Interrogatio : Cathezesis qua lingua dicitur? Responsio: Greca instructio
interpretatur. — P catacesis. — P grece. — 14 P mysterio M misterio.
— PM inponentis. — '«Pintellegat. — M qui sit qui. - » P Ysidorus M
otn. — il PM grece. — M inditium. — P conlatio M consoiatio. —
56 P prepararent.
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32
III. Die Codices und der Text.
X. De tactu cum sputo.
Gregorius: Per salivam itaque quae de capite in os
labitur supernae contemplationis inrigatio designatur. Quid
ergo est caput nostrum nisi divinitas, per quam existendi prin-
5 cipium sumimus ut creatura simus, ut illud Pauli (1. Cor. 11, 3) :
Caput yiri Christus ? Et quid aliud oris nomine exprimitur nisi
praedicatorum ordo Signatur? (Gregor, moral. lib. VIII c. 30,
49 Ml. 75, 832 B). Adiecit quidam: Unde et Philippus,
qui os lampadis x ) interpretatur, quasi salivae gustum de capite
10 sumebat, cum Iesus dicebat (loh. 1, 43) : Sequere me. At ille
quasi bonus odor dei Nathanael cum sputo aures tangebat, cum
praefulgido sacrae legis sacramento proferebat dicens (loh. 1, 45) :
Quem scrip8it Moses in lege et prophetae, invenimus Iesum filium
Ioseph a Nazareth. Item Gregorius: Huic bene et aliud
15 evangelicum coaptatur exemplum. Redemptor etenim veniens
Sputum luto miscuit et caeci nati oculos reparavit (loh. 9, 6), quia
superna gratia carnalem cogitationem nostram per admixtionem
suae contemplationis inradiat et ab originali caecitate hominem
ad intellectum reformat (Gregor, moral. lib. VIII c. 30, 49
20 Ml. 75, 832 C).
XL De tactu aurium.
Iohannes: Ideo tanguntur aures eorum, quia per eas
ad intellectum fides ingreditur (Ioltann. Diac. epist. ad Senar.
c. 4 Ml. 59, 402 C). Item Ambrosius: Aures ideo a
25 sacerdote tanguntur, ut aperiantur ad sermonem et ad elo-
quium sacerdotis (Ambros. de sacrament. Hb. I c. 1, 2 Ml. 16,
436 Ä). Alibi i dem: Effeta quod est adaperire ut yenturus
*) Beliebte Ableitung des Namens Philippus aus dem Hebräischen
-»sS-*» Fackelmund. Vgl. de Lagarde, Onomastica sacra p. 174. 200.
1 M saliva. — 9 P Gregorius M Quid per tactum salivae? Respon-
sio. — a M superne. — 4 M est ergo. — M nisi ut. — 7 P predicatorum
M ordo praedicatorum. — 10 M Iesu. — 11 P Nathanahel. — 18 Ppreful-
gido. — 19 PM Moyses. — " M om item Gregorius. — M hic. — »• PM
ceci. — t7 M canalem. — PM ammixtionem. — 18 PM cecitate. —
89 P Iohannes M Interrogatio : Cur tanguntur aures? Responsio. — 14 M
om item Ambrosius. — " P eloqium. — 87 M om alibi idem.
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III. Die Codices und der Text.
33
unusquisque ad gratiam quid interrogetur agnoscat et quid
respondeat memoriae commendet (Ambros. de myst. c. 1, 3. Ml.
16, 407 Ä) et cetera.
XII. De tactu naris.
Iohannes: Cum vero tanguntur nares eorum, admo- 5
nentur, ut quamdiu spiritum naribua trahunt in dei servitio
mandatisque perdurent (IoJiann. Diac. epist. ad Senar. c. 5 Ml. 59,
402 CD). Ambrosius: Nares autem tangere est ut bonum
odorem accipiant pietatis aeternae, ut indicatur: Christi enim
bonus odor sumus deo, quemadmodum dixit apostolus sanctus 10
(2. Cor. 2, 15). Et sit in eo fidei devotionisque plena flag-
rantia (Ambros. de sacrament. lib. I c. I 3 Ml. 16, 430 sq.).
Item in ipso libro: Post haec reserata sunt tibi gancta
sanctorum, ingressus es regenerationis sacrarium (Ambros. de
myst. c. 2, 5 Ml. 16, 407 B). 15
XIII. De unetione pectoris et scapulae.
Iohannes: Pectus eorum oleo consecrationis perungitur ?
ut intelligant firma conscientia et puro corde debere promittere,
quia iam relicto diabolo Christi mandata sectentur (Iohann.
Diac. epist. ad Senar. c. 6 Ml. 59, 403 A). Alibi: Signan- 20
tur et scapulae, ut ubique muniatur. (Cf. Alcitini epist. 93.
261 ed. Joffe p. 390. 825.)
XIV. De abrenuntiatione.
Isidor us: Duae sunt quippe pactiones credentium.
Prima enim pactio est qua renuntiatur diabolo et pompis eiu9 25
et universae conversationi illius. Secunda pactio est qua se
credere in patrem et filium et spiritum sanetum confitetur
(Isidor, de eccl. offic. lib. II c. 25, 5 Ml. 83, 821 Cf), ut illud
a M memoria. — P conmendat. — 3 M caetera. — 6 P Iohannes
M Interrogatio : Quid nares. Responsio. — PM ammonentur. — * P 1
trahant. — 8 M om Ambrosius. — • M dicatur. — 11 M deo. — 19 M
scapuli. — 17 P Iohannes M Interrogatio: Cur pectus perunguitur? Re-
sponsio. — 17 P perunguitur. — 18 PM intellegant. — 21 M scapule. — P l
muniantur. — 24 P Ysidorus. M Interrogatio: Quod sunt pacciones creden-
tium? Responsio: Due. — 2Ä M conversationis.
Wiegand, Odilbert von Mailand. 3
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III. Die Codices and der Text.
evangelii : Qui crediderit et baptizatus fuerit, salvus erit (Marc.
16, 16). Iohannes: Diaboli, inquit, laqueis nisi aliquis inter
ip8a primitu8 fidei rudimenta veraci professione reuuntians
exuatur, ad salutaris lavacri gratiam non accedet et ideo
5 hunc oportet primum catechumenorum adiutorium introire
(Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 3 Ml. 59, 401 D).
XV. Utrum pueri per se confessionem faciant?
1 s i d o r u s : Quod pueri per se renuntiare non possunt, per
corda et ora gestantium adimpleatur (Isidor, de eccl. offic. Hb.
10 // c. 21, 3 MI. 83, 815 A). Iohannes: Scire debetis, quia
dum a parentibus an a quibuslibet aliis offeruntur, ore alieno
professionis salvari necesse est qui fuerunt ore alieno damnati
(Iofiann. Diac. epist. ad Senar. c. 7 Ml. 59. 403).
XVI. De trina mersione.
15 Iohannes: Nam qui in trinitatis nomine baptizandus ac-
cedit, ipsam utique trinitatem trina debet demersione signare
et illius se cognoscere beneficiis debitorem qui tertia die pro
eo resurrexit a mortuis (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 6 Ml. 59,
403 B) et cetera quae sequuntur.
20 XVII. De unctione chrismatis.
Iohannes: Sumptis dehioc vestibus albis caput eius sacri
chrismatis unctione perungitur, ut intelligat baptizatus regnum
in se sacerdotale convenisse (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. 6
MI. 59, 403 B) et reliqua. Isidorus: Unguentum Moses in
25 exodo iubente domino composuit et confudit, quo primum Aaron
et filii eius in testimonium sacerdotii peruncti (Exod. c. 30, 22 sqq.),
2 M om Iohannes. — M inquid. — * M accedat. — * PM catecu-
minorum. — 7 M Interrogatio: Utrum. — 8 P Ysidorus M om. — M par-
vuli. — 10 P Iohannes M ftesponsio. — Xi M alieno ore. — 14 M morsione.
Interrogatio. Incipit regula tidei. Ysidorus. Post apostolorum sj'mbo-
lum haec est fol 102°- 103". Tide aupra p. 16 n. 3. — 15 P Iohannes
M Cur trina fit mersio ? Responsio. — '* M itaque. — 19 PM secuntur. —
M PM crismatis. — 21 PM Iohannes M Interrogatio : Cur caput perunguitur?
Responsio. — 22 P crismatis. — P perunguetur P l M perunguitur. — P
intellegat. — 2 » M om se. - " PM Ysidorus. — PM Moyses. — » P
conposuit. — M quia.
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III. Die Codices und der Text.
deDique et reges chrismate sacrabantur, unde et christi nuncu-
pabantur sicut scriptum est: Nolite tangere christos meos
(Ps. 104, 15). Eratque eo tempore tantum in regibus et sacer-
dotibus mystica unctio, qua Christus figurabatur, unde et ipsum
Domen a chrismate dicitur. Sed postquam Christus dominus 5
n oster verus rex et sacerdos aeternus a deo caelesti et mystico
unguento est delibutus, unguento non solum pontifices et reges,
sed omnis ecclesia unctione chrismatis consecratur pro eo quod
membrum est aeterni regis et sacerdotis. Ergo quia genus
regale et sacerdotale sumus (/. Petr. 2, 9), ideo post lavacrum 10
ungimur, ut Christi nomine consecremur (Isidor, de eccl. offic.
lib. 11 c. 26, 1. 2. Ml. 83, 823 A— 824 Ä).
XVIII. De linteolo.
Ioliannes: Ad imaginem quippe sacerdotii plenius ex-
primendam renascentis caput lintei decore componitur. Nam 15
sacerdotes iilius temporis quodam mystico velamine caput semper
ornabant (lohann. Diac. epist. ad Senar. c. 0 Ml. 59, 403 B).
XIX. De albis vestibus.
Idem: Cuncti renati albis vestibus induuntur ad ministe-
rium resurgentis ecclesiae, sicut ipse dominus coram discipulis 20
transfiguratus ut dicitur : Resplenduit facies eius sicut so), vesti-
menta autem eius facta sunt Candida sicut nix (Matth. 17, 2).
— Utuntur igitur albis vestibus, ut quorum primae nativitatis
infantiam vetusti erroris pannus fuscaverat, habitus secundae re-
generationis gloriae proferat indumentum (lohann. Diac. epist. 25
ad Senar. c. ü Ml. 59, 403 B. C). Salomonius: Semper
inquit sint vestimenta tua Candida (Eccles. 9, 8).
1 P crismate. — M nuucupantur. — * Af mistica. — P ipsud M ipsu.
— 6 P crismate. — « M celcsti. — M mistico. — 7 P 1 delibatus. — • PM
aecclesia. — P crisDiatis. — 3f consecrantur. — 10 PM ungruimur. — 14 P
Iohannes M Interrogatio : Cur lintei decore componitur? Responsio. —
15 PM om caput. — P conponitur. — 19 P idem M Our vestibus albis
cuncti renati induuntur? Responsio: Ad mysterium itaque renascentis. —
P mysterium. — 20 P aecclesiae. — 22 M om autem. — 24 P pannoa. —
2 « M Salomon. — 87 P inquid.
3*
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III. Die Codices und der Text.
XX. De communicatione corporis Christi.
Dignum omnimodo est, ut ad mensam sponsi caelestis
nuptiali veste circumdatus homo novus occurrat. In evan-
gelio: Qui manducat carnem meam et bibit sanguinem meum,
5 in me maoet et ego in eo {loh. 6, 57). Augustinus:
Hoc ergo est manducare illam escam et illum bibere calicem,
in Christo manere et illum manentem in se habere; ac per
hoc qui non manet in Christo et in quo non manet Christus,
procul dubio nec manducat eins carnem nec bibit eius san-
10 guinem, etiamsi ante rei sacramentum ad iudicium sibi man-
ducat et bibit (August, in loh. evang. tract. XXVI n. 18
Ml. 35, 1614). Item: Sicut hoc ergo in vos convertitur,
cum id manducatis et bibitis, sie et vos in corpus Christi
convertimini, cum oboedientes et pie vivetis. Item: Estote quod
15 videtis, capite quod estis. Cyprianus: Manifestum est eos
vivere qui corpus Christi attingunt et eucharistiam iure com-
municationis aeeipiunt. Ita contra timendum est et orandum,
ne, dum quis abstentus separatur a Christi corpore, remaneat a
salute comminante ipso et dicente: Nisi ederitis carnem filii
20 hominis et biberitis sanguinem eius, non habebitis vitam in vobis
(loh. 6, 54). Et ideo panem nostrum id est Christum dari
nobis quotidie petimus, ut qui in Christo manemus et viviraus
a sanetificatione eius et corpore non recedamus (Cyprian, de do-
minic. orat, c. 18 Opp. ed. Härtel I 280 sq.).
25 XXI. De impositione manus pontificis.
Isidorus: Manus impositio ideo fit, ut per benedicti-
onem advocatus invitetur spiritus sanetus. Tunc enim ille
paracletus post mundata et benedicta corpora libens a patre
descendit (Isidor, eiymolog. lib. VI c. 19, 54 Ml. 82, 256 C. D)
4 M evangelio dominus dicit. — M meam carnem. — M meum san-
guinem. — 8 M om Augustinus. — • M est ergo. — M potum. — 10 M
etiam sit. Migne sed magis tantae. — 11 M 1 bibat. — 18 M corpore. —
u M obedientes estis. — 15 P Ciprianus M om. — ia P conmunicationis.
— 17 P ita contra M et cetera. — u M extraneus remaneat. — 19 M
cominante. — M P cotidie M cottidie. — * 5 PM inpositione. — 26 P Ysi-
dorus M om. — PM inpositio. — 28 PM paraclitus.
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III. Die Codices und der Text.
37
et cetera. Cyprianus: Quod Dune quoque apud nos geritur,
ut qui in ecclesia baptizantur, praepositis ecclesiae offerantur
et nostra oratione ac manus impositione spiritum sanctum
coDsequantur et signaculo dominico consummentur (Cyprian, epist.
73 c. 9 Opp. ed. Härtel II 785). Idem: Porro autem nou per 5
manus impositionem quis nascitur quando accipit spiritum san-
ctum, sed in baptismo, ut spiritum sanctum iam natus accipiat,
sicut in primo homine Adam factum est. Ante eum deus
plasmavit et tunc insufflavit in faciem eius spiraculum vitae
(Cyprian, epist. 74 c. 7 Opp. ed. Härtel II 804). Item idem: 10
Tunc enim demum plene sanctificari et esse filii dei possunt,
si sacramento utroque nascantur, cum scriptum sit (loh. 3, 5):
Nisi quis renatus fuerit ex aqua et spiritu sancto, non potest
introire in regnum dei (Cyprian, epist. 72 c. 1 Opp. ed. Härtel
II 775). 15
XXII. De pedum nuditate.
Iohannes: Hi etiam nudis pedibus iubentur incedere, ut
depositis morticinis et carnalibus indumentis cognoscant se illius
vitae iter arripere, in qua nihil asperum, nihil potest inveniri
nocivum (Iohann. Diac. epist. ad Senar. c. G Ml. 59. 403 Ä). 20
Finit feliciter. Ha^ o'kqitctwqi.
1 P Ciprianus M Cap. — * P aecclesia. — PM aecclesiae. — PM
offeruntur. — 8 M nostram orationem. — P inpositione M inpositionem.
— 4 P consumentui-. M dominico consignantur. — 5 M idem cap. —
P aut. — 6 P inpositionem. — P' accepit. — • P antea. — • M vite.
— 10 M om item idem. — 11 P dono. — 17 M om Iohannes. — 18 M si.
— 18 PM aspere. — M invenire. — " P finit feliciter. 7ra| agtnrajpi
M De vestimentis candidis. Cur post hec accipiuntur vestimenta Candida?
Responsio: Ut etc.
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38 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
IT. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten
Taufordo des 9. Jahrhunderts.
Die sämtlichen Urkunden des 8. und 9. Jahrhunderts,
welche von Katechumenat und Taufe handeln, einschliesslich
der erzbischöflichen Antwortschreiben an Karl, gliedern sich
in zwei Gruppen, jenachdem sie nämlich den Nachdruck auf
eine Darstellung des ersteren, des natürlich durchweg cere-
moniellen Katechumenates, oder der letzteren, der speciellen
Taufliturgie, legen. Und zwar ist diese Differenz nicht zufällig
oder bloss im Belieben des einzelnen Autors begründet. Sie
entspricht vielmehr den beiden divergierenden liturgischen
Formularen jener Zeit, einem älteren, das noch im 9. Jahrhundert
nachweisbar ist, und einem jüngeren, das sich zu Karls des
Grossen Zeiten und unter seinem Einfluss im Frankenreiche
durchsetzt, dessen Herkunft aber noch durchaus im Dunkeln
liegt.*)
Das erstere ist der bekannte Skrutinienritus, der bereits
im 6. Jahrhundert in Rom begegnet und sich mehr und mehr
kunstvoll entwickelt, bis er endlich im sog. 7. römischen Ordo
seine endgiltige Ausgestaltung in der Form von sieben die
letzten Fastenwochen umspannenden Skrutinienmessen findet.
Im 7. Jahrhundert wandert dieser Ritus auch nach Franken
hinüber und verdrängt hier die alte einfache und charakte-
ristische Katechumenats- und Taufliturgie. Ja so gross war
die Vorliebe der fränkischen Kirche für die Skrutinienmessen,
dass man dieselben in völlig unpassender Weise gallischen wie
römischen Messbüchern eingliederte. Besonders breit figurierten
sie fortan im gelasianischen Sakramentar, so dass dieses letztere,
zumal es nur in derartigen interpolierten Exemplaren auf uns
gekommen ist, heutzutage geradezu als die wichtigste Quelle des
Skrutinienritus gilt. Wenn man von den Skrutinien des Gela-
sianums spricht, so meint man jene die Tauf Vorbereitung bilden-
l ) Uber Skrutinienritus und Taufordo vgl. Näheres in meiner gleich-
zeitig erscheinenden Schrift : Symbol und Katechumenat (Die Stellung des
apostolischen Symboluins im kirchlichen Leben des Mittelalters. Band I)
§ 11—13. 16. 17.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 39
den Gebete und Cerenionien, welche, obwohl von Rom ursprüng-
lich ausgegangen, gleichwohl erst auf fränkischem Boden dem
römischen Messbuch aus Bequemlichkeitsrücksichten und wider-
sinnig genug eingegliedert wurden. Es ist unzweifelhaft, dass
dieser Skrutinienritus während des 9. Jahrhunderts noch eben-
sowohl in Amiens und Trier wie in Aquileja und Rom in
Übung stand.
Gleichwohl gehörte die Zukunft dem eigentlichen Taufordo,
der in der Erwägung, dass die Skrutinien eigentlich nur für
die Taufe von Erwachsenen passten, und im Hinblick auf die
zur Zeit vorwiegend in Übung stehende Kindertaufe, jene kom-
plizierte mehrwöchentliche Taufvorbereitung in einen einzigen
der Taufhandlung unmittelbar vorangehenden liturgischen Akt
zusammenzog. Somit bildeten also Katechumenat und Taufe
samt den der Taufe unmittelbar folgenden Ceremonien ein ein-
heitliches Ganzes. Die Tauferziehung bekam wieder den ur-
sprünglichen Charakter eines Unterrichtes, der völlig selbständig
entweder, bei Erwachsenen, der Taufe zeitlich voranging oder,
bei Kindern, ihr zeitlich folgte. So berühren sich die Ge-
pflogenheiten der Alten Kirche mit denen des Mittelalters seit
dem 9. Jahrhundert, während die zwischen liegenden drei Jahr-
hunderte eine auf die Dauer unhaltbare Zwitterbildung repräsen-
tieren, die sich nur daraus erklären lässt, dass man um jeden
Preis ehrwürdige Einrichtungen wenigstens dem Namen nach
festhalten wollte, obwohl sie mit den thatsächlichen Verhält-
nissen der Zeit im Widerspruch standen. Jener neue Tauf-
ordo liegt uns in einer Art von offiziellem Schema in zwei
Briefen Alkuins vor. *) Und ebenso repräsentieren ihn das Antwort-
schreiben Theodulfs von Orleans und bis zu einem gewissen Grad
auch die des Leidrad von Lyon und des Maxentius von Aquileja.
Es ist nicht ohne Interesse zu sehen, nach welcher von
beiden Richtungen hin der Vertreter der mailändischen Kirche
neigt. Aus diesem Grunde empfiehlt sich zum Schluss noch
ein näheres Eingehen auf die einzelnen Kapitel der Odilbertschen
Schrift.
*) Epist. 93 ad monachos Gothiae. Epist. 261 ad Oduinum presbyt.
Jaffe\ Monum. Alcuin. p. 390 sq. 824 sq.
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40 IV, Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
Nach altkirchlichem Brauche musste jeder, der vom
Heidentum zum Christentum übertreten wollte, zuvor Katechu-
mene werden. Zu diesem Zwecke meldete er sich bei einem
Geistlichen, der ihn in einer kurzen Ansprache über das
Christentum im allgemeinen orientierte und ihn zugleich einer
liturgischen Ceremonie unterzog; er ward angehaucht, an der
Stirn mit dem Kreuze bezeichnet, bekam unter Gebet die Hand
aufgelegt und erhielt Salz gereicht. Dadurch sollte er der
Macht des Satans und der Welt entrückt und dem Gekreu-
zigten und seiner Gemeinde zugewiesen werden. Denn der
darauffolgende in der Regel zweijährige Katechumenat war
gedacht als eine Zeit der Selbstprüfung, während welcher sich
der willentliche Bruch mit den Idolen des Heidentums und der
bewusste Ubergang zum Monotheismus vollzog. Diese Einrich-
tung war verständlich und naturgemäss in Zeiten und Ländern,
wo Kirche und heidnischer Staat bezw. heidnische Gesellschaft
wie zwei feindliche Mächte mit einander rangen und die Taufe
den bewussten Übertritt von der einen Partei zur anderen repräsen-
tierte. Gleichwohl behauptete sie sich, wenngleich nur der
Idee und dem Namen nach auch noch dann, als man in der
Regel bloss Kinder christlicher und in ausschliesslich christlicher
Umgebung lebender Eltern taufte. Denn der Katechumenat hörte
zwar notgedrungen auf, ein Erziehungsinstitut zu sein, und da-
mit fiel alles hin, was, wie jene kurze Ansprache, an Belehrung
oder Unterricht erinnern konnte. Aber an der Spitze des Tauf-
ceremoniells begegnet nach wie vor ein Abschnitt, der sich Kate-
chumenat nennt, 1 ) obwohl er ausschliesslich liturgischen Charakter
trägt Im Zeitalter der Skrutinienmessen erscheint dieser sog.
Katechumenat in der Gestalt eines Aufnahmeaktes am Mitt-
woch nach Okuli. Das Ceremoniell besteht nach wie vor aus
Exsufflation, Kreuzeszeichnung, Hand auf legung und Salzdar-
reichung; 2 ) dagegen fehlt das belehrende Wort.
J ) Am nüchternsten beurteilt Theodulf von Orleans (Liber de ordine
baptismi c. 1 Ml. 105, 224) diese Thatsache : Quod modo infantes catechu-
meni efficiuntur, antiquus mos servatur.
*) Sacraraent. Gelasian. I 71. Dagegen fehlt im österlichen Parallel-
formular (I 30. 32), welches die dem 7. römischen Ordo entsprechenden
Gebete und Formeln enthält, die Exsufflation.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 41
Auch Odilbert beginnt (c. IV) der Tradition gemäss die
Taufe mit dem Begriff „Catecumini u und der althergebrachten
Definition des Katechumenats als eines Übertrittes aus dem
Lager der Götzen in das Herrschaftsgebiet Christi. Dieser
Katechumenat besteht aber, da auch der letzte Rest jener Ein-
führungsansprache weggefallen ist, auch bei ihm natürlich nur
aus Ceremonien, nämlich aus dem Exorcismus , der Exsuffla-
tion, der Salzdarreichung und der Salbung.
Der Exorcismus an dieser Stelle erscheint als Neuerung.
Derselbe bildete von alters her die charakteristische Eigentüm-
lichkeit der Kompetentenzeit, wobei dahingestellt bleiben mag,
wie oft, an welchen Orten, von welchen Persönlichkeiten und
unter welchen Ceremonien er vollzogen wurde. 1 ) Dagegen hat
die Alte Kirche nie die Neigung gehabt, das gesamte Taufvor-
bereitungs verfahren gleich mit einem Exorcismus zu beginnen.
Höchstens war dies bei schlecht getauften Häretikern der Fall,
welche zur katholischen Kirche übertraten. Aber dieses Ver-
fahren trägt dann mehr den Charakter einer Busse als den einer
schlichten Aufnahme. 2 )
Gleichwohl kann sich Odilbert nicht bloss auf seinen Ge-
währsmann Isidor berufen, der Exorcisation, Salzdarreichung
und Salbung als Katechumenatsakte bezeichnet, sondern schon
Johannes Diaconus gibt neben der unter Handauflegung zu
vollziehenden Katechese, neben der Exsufflation und neben der
Salzdarreichung, den Exorcismus als Bestandteil des Katechu-
menats an. 8 ) Und ebenso rechnet Ildefonsus den Exorcismus
unter die Katechumenatsakte. 4 ) Und in der That ist ja auch
die Grenze zwischen Exsufflation und Exorcisation — dort
Austreibung des bösen Geistes durch Hauchen, hier durch
Sprechen — eine so flüssige, dass wenn einmal die eine Cere-
monie an der Spitze der Taufvorbereitung Platz gegriffen hatte,
') Vgl. mein : Symbol und Katechumenat S. 14. 54 f.
9 ) Vgl. den angeblichen 7. Kanon des 2. Konzils von Konstantinopel:
Udvrag Tovg an aviätv frekotnas 7it>o6TifreaQai r7; oQfrodo&q tos "EkXrjvas
dixofted'a . . . eha rqt> Tpirrjv e^oQxi^outv uvtovs fiein tov ip<pvoäv tq'vxov
als to -xQoaomov xai eis tec miu uviur». Hefele, Conciliengescb. II 26—28.
a ) Epistola ad Senarium c. 3 Ml. 59, 401 sq.
4 ) Annotationen de cognitione baptismi c. 21-26 Ml. 96, 120-123.
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42 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
die andere ihr alsbald folgen musste. Es brauchte eben nur zur
Ceremonie die Vollzugsformel hinzuzutreten. 1 )
Deshalb machen denn auch Odilbert und seine Gewährs-
männer, wie es scheint, so gut wie gar keinen Unterschied
zwischen Exsufflation und Exorcisation (c. V), sondern fassen
sie durchweg als engverbuuden und nahezu als identisch auf.
Auch das verdient Beachtung, dass Odilbert die Begriffe
sufflatio, exsufflatio, insufflatio durchweg unterschiedslos ge-
braucht, also die geradezu gegensätzliche Bedeutung der beiden
letzteren — Aushauchen nämlich den Teufel, und — Einhauchen
nämlich Christus, — wie sie später gang und gäbe ist, durch-
aus nicht kennt.
Wenn sodann Odilbert weder von der Kreuzeszeichnung
noch von der Handauflegung spricht, so kann durchaus nicht
ohne weiteres gefolgert werden , dass dieselben ihm unbekannt
gewesen oder von ihm nicht gehandhabt worden seien. Es
ist sogar schwer denkbar, dass diese beiden allgemeinsten litur-
gischen Handlungen, welche die Kirche zu allen Zeiten aus-
geübt hat, jemals in Vergessenheit geraten wären. Eher ist
anzunehmen, dass Odilbert, gerade weil sie so allbekannt und
häufig waren, eine besondere Erwähnung derselben nicht für
notwendig erachtete. 2 )
Die Salzdarreichung (c. VI) war im ganzen Abendlande
und zu allen Zeiten gebräuchlich. Nur die Kirche von Toledo
hat sich bis in das 7. Jahrhundert gegen dieselbe ablehnend
verhalten aus Gründen, die nicht bekannt sind. 3 ) Was ihr
diese Verbreitung gesichert hat, war indessen nicht jene von
*) So in einem Ordo ad catechuraenum faciendum der Kirche von
Tours, den Martene (De antiq. eccl. ritibus 1736. Tom. I col. 42—45)
abdruckte: Sacerdos insufflet tribus vieibus in faciem eius, dicens: In-
sufflo te, diabole, in nomine patris, ut exeas et recedas ab hoc famulo dei,
quem tua fraude deeepisti. Insufflo te, diabole, in nomine filii, ut exeas etc.
Insufflo te, diabole, in nomine spiritus saneti etc.
a ) Immerhin will beachtet sein, dass auch die übrigen Liturgiker sie
jedenfalls an dieser Stelle nicht nennen.
8 ) Ildefons, de cognit. bapt. c. 26: Catechumeni in nonnullis locis, ut
refertur, sales aeeipinnt velut significato sapientiae condimento. Sed licet
forsitan, ut dicitur, quia sola hoc antiquitas commendavit, adeo uaque-
quaquam non probatur.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 43
Odilbert weiter gegebene mystische Deutung sondern der Um-
stand, dass in der Alten Kirche das Salz als Surrogat des den
Katechumenen noch versagten Abendmahlssakramentes galt. 1 )
Schon aus diesem Grunde dürfte sie ebenso wie die übrigen Ein-
führungsceremonien während der folgenden Katechumenenzeit
seitens der Alten Kirche öfters wiederholt worden sein.
Dass endlich auch Salbungen an den Katechumenen vor-
genommen seien, erwähnt Isidor, onne jedoch irgendwie näher
darauf einzugehen. Vielmehr hat es den Anschein, als ob es
sich ihm dabei nur um eine ganz generelle Angabe handelt. Auch
Odilbert wiederholt nur mechanisch das Wort Isidors (c. IV:
Et unguntur), 2 ) so dass nicht anzunehmen ist, dass an dieser Stelle
die mailändische Kirche einen besonderen Salbungsakt gekannt
hat. Selbstverständlich haben bei dem Citate Isidors alle
diejenigen Salbungen ausser Betracht zu bleiben, welche dem
Taufakt direkt voraufgehen oder folgen. Es kann sich nur um
solche vielleicht mit den Exorcismen zusammenhängende Sal-
bungen handeln, wie sie Ildefonsus von Toledo für den Eintritt
der Kinder in die Taufvorbereitung vorschreibt. Dieser ward näm-
lich in Erinnerung an die Johannestaufe als an eine Taufe zur
Busse ebenfalls als Bussakt gefasst. Deshalb wurden die Kinder
über ausgebreitete rauhe Felle geführt, um vom Priester gesalbt
zu werden. 3 ) Hat also Mailand im Katechumenat eine Salbung
») Synode zu Hippo 393 can. 3 (3Iansi, Conc. coli. III 919 Hefele,
Conciliengesch. II 56): Ut etiam per solcmnissimos paschales dies sacra-
mentum catechumenis non detur nisi soliturn salis. August, de peccat.
merit. et remiss. lib. II c. 26. 42: Et quod accipiunt, quamvis non sit
corpus Christi, sanctum est tarnen et sanetius quam eibi quibus alimur,
quoniam sacraraentum est. Vgl. De catech. rud. c. 50. Confesa. I 11, 17.
*) Dasselbe ist der Fall bei Leidrad von Lyon, der in seinem Liber
do sacramento baptismi ad Carolum 31. imperatorem c. 1 ebenfalls die
Worte Isidors: Exorcizantur primum, deinde salem accipiunt et unguntur
mechanisch abschreibt, ohne auf den letzten Begriff näher einzugehen
Ml. 99, 856. 857.
3 ) Ildefons, de cognit. bapt, c. 14: Quod per straraenta ciliciorum ad
oleandum saeerdotibus parvuli dedueuntur. ut poenilcntiae Signum habe-
ant propter opus, qui poenitentiac opera demonstrare non possunt propter
aetatis tempus. c.21 : Qui postexorcismorumincrepationt-m opportune veniunt
ad olei unetionem. Vgl. 2. Synode von Maeon can. 3 (Mansi, Conc. coli.
IX 951. Hefele, Conciliengesch. III 40): Praecipimua ut impositionem
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44 IV. A nmerkuogen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
gehabt, dann kann dieselbe nicht von Rom stammen, sondern
muss eine Eigentümlichkeit gewesen sein, welche Mailand mit
der spanisch-fränkischen Kirche gemein hatte. 1 )
Auch an der zweiten Stufe des Katechumenats , an der
Stufe der Kompetenten oder der Taufvorbereitung im engeren
Sinne hält Odilbert (c. VII) dem Namen und der Idee nach
fest. Dieselbe fiel in der Alten Kirche im grossen und ganzen
mit der Fastenzeit zusammen. Der Taufkandidat wurde einer
Anzahl von Gebetsübungen unterstellt, den sog. Skrutinien, bei
welchen die Ceremonien des Einführungsaktes wiederkehrten,
besonders häufig aber die in die Form des Gebetes gekleideten
Exorcismen vorgenommen wurden, die den Betreffenden von
allem teuflisch heidnischen Wesen lösen und seiuein christ-
lichen Ziele nähern sollten. Der letztere Gesichtspunkt, die
Hinkehr zu einem neuen Leben der Zukunft, waltete aber be-
sonders bei den vorzugsweise erziehlichen Katechisationen vor,
dem positiven Gegenstück zu den Skrutinien. Und ihren Höhe-
punkt fand die ganze Kompeteuteuzeit in zwei glanzvollen Ver-
sammlungen, in welchen das apostolische Symbol den Tauf-
kandidaten vom Bischof übergeben d. h. dem Wortlaute nach
mitgeteilt und dann von diesen, nachdem es fleissig memoriert
war, zurückgegeben wurde.
manuum certis diebus adepti et sacri olei liquore peruncti legitimi diei
festivitate fruantur et sacro baptismate regenerentur.
] ) Auffallend ist jedenfalls, dasa Beroldus (Ecclesiae Ambrosianae
Mediolanensis kalendarium et ordines saec. XII ed. Magistretti p. 92)
noch im Anfang des 12. Jahrhunderts an der Spitze der Taufvorberoitung
in Mailand eine Ceremonie des „Chrismon" kennt, welche jenem spanischen
Buss- und Salbungsakt überaus ähnlich sieht (Debent quaerere cilicium ab
archiepiscopo et debent portare in medio ecclesiae et facere chrismon super
illud de cinere. — Omnes pariter masculi et foeminae intrant in ecclesiam
et vadunt ubi chrismon est). Vgl. auch den Ordo ecclesiae Ambrosianae
in solemni baptismo sabbato sancto bei Muratori, Antiquit. italic. med.
aevi 1741 Tom. IV p. 841 — 844; ferner Landulfus sen., Historia Mediolan.
1 12 M. (x. Script. VIII 42. Magistretti. der die Ceremonie bei Odilbert nicht
angedeutet fand, glaubte deshalb an der Authenticität des Liber de ba-
ptismo zweifeln zu sollen (Beroldus p. 207 n. 184: Non credo genuinum
antistitis nostri opus), hat aber dieses Bedenken neuerdings (La liturgia
della Chiesa Milanese nel secolo IV. 1899 p. 8) wieder aufgegeben. Mög-
licherweise ist das „Chrismon*' de« Beroldus bereits in dem „et unguntur'
des Odilbert angedeutet.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 45
Auch diese Verhältnisse erfahren seit dem 6. Jahrhundert
eine merkliche Änderung entsprechend dem Umstände, dass
es die Kirche bei der Taufe fast ausschliesslich mit Kindern
christlicher Eltern und nicht mehr mit erwachsenen Heiden zu
thun hat. Dazu tritt noch das gesteigerte Interesse am Aus-
bau der Liturgie, welches namentlich von Rom aus immer neue
Nahrung empfängt. Infolgedessen bekommen die liturgischen
Exorcisationsgottesdienste fortan die stereotype Form von sieben
kunstvoll durchgebildeten Skrutinienm essen, unter denen wieder-
um zwei durch den feierlichen Akt der Übergabe und der
Rückgabe des Symbols besonders ausgezeichnet sind. Hingegen
fallen die Katechisationen in jenen Jahrhunderten für die Tauf-
vorbereitung ganz fort, denn alle Belehrung und Erziehung ge-
hört bei Kindern naturgemäss der Zeit nach der Taufe an.
Indessen behält man wenigstens den Namen bei. Denn das
letzte der Taufe unmittelbar voraufgehende Skrutinium besteht
aus Katechisation und Symbolrückgabe. Erstere aber ist nichts
anderes als die Verbindung der bekannten Ceremonien der
Signation und Exorcisation mit dem Effeta, der Benetzung von
Nase und Ohren des Täuflings mit Speichel. 1 ) Daraus erklärt
sich denn auch die sonderbare Verkehrung derBegriffe bei Odilbert.
Dass es zum Wesen der Kompetenten gehöre, katechisiert
zu werden, schreibt Odilbert dem Isidor nach, ebenso dass
ihnen das Symbol mitgeteilt wird. Aber er fügt dann selb-
ständig hinzu, dass an ihnen die sieben Skrutinien vorgenommen
werden (c. VII).
Was nun diese letzteren anbetrifft, so ist die Definition
(c. VIII) deshalb nicht uninteressant, weil in der That das
Zeitalter Karls nicht mehr wusste, was es eigentlich unter
diesem Begriff zu verstehen habe, wie denn des Kaisers Frage:
De scrutinio, quid sit scrutinium? auch durchweg verschieden
beantwortet ist. 2 ) Nach Odilbert ist das Skrutinium eine Prü-
*) Den Beleg siehe in meinem: Symbol und Katechumenat S. 236.
a ) Besonders charakteristisch von Leidrad (Lib. de sacram. bapt.
c. 1): Haec tota actio quae super catechumenis etcompeten
tibus celebratur. a quibusdam scrutinium nominatur, non ob aliud, ut
putamus, nisi a scrutando iuxta illud psalmistae : Scrutans corda et renea
deus. Eo quod ibi scrutarentur corda credentium et dubitantium a aacer-
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46 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
fung nicht sowohl des ausreichenden Wissens oder der rechten
Erkenntnis (worauf man allenfalls das „utrum in eadem doctrina
fidei consistant qua pridem docti a sacerdotibus fuerunt** deuten
könnte) als der rechten Herzensstellung. Es sind die Exor-
cismen darunter zu verstehen, insofern es sich bei ihnen darum
handelt nachzuforschen, in weichem Masse die Macht des
Satans im Täufling noch vorhanden bezw. im Schwinden be-
griffen ist
Der Zahl nach sind ihrer sieben entsprechend den sieben
Gaben des heiligen Geistes. Das erinnert natürlich an die sieben
Skrutinienmessen des Gelasianums, und an sich wäre es auch
keineswegs wunderbar, wenn dieselben damals in Mailand im
Gebrauch gestanden hätten, begegnen sie doch während des
y. Jahrhunderts im Norden des Reiches ebensowohl wie in
Aquileja und Rom. 1 ) Aber auffallend erscheint, dass ein solch
reich entwickeltes Ceremoniell wie diese Skrutinienmessen von
Odilbert nur ganz beiläufig angedeutet sein sollte. Der Erzbischof
macht auch nicht den geringsten Versuch, sie irgendwie eingehen-
der zu besprechen. Das ist um so merkwürdiger, als gleichzeitig
zwei andere Prälaten, in deren Diöcesen jene Skrutinienmessen
in Übung standen, Jesse von Amiens und Amalar von Trier,
in ihren Antwortschreiben an Karl das Stichwort Skrutinium
zu einer detaillierten Darstellung eben jenes Ritus benutzen. 2 )
Demgegenüber erscheint die kurze Bemerkung Odilberts fast
wie eine Interpolation, als welche sie freilich nicht in Frage
kommen kann, da sie sich in allen Handschriften findet. Wohl
aber ist denkbar, dass Odilbert unter jenen sieben Skrutinien,
die er beiläufig erwähnt, nicht Skrutinienmessen, sondern ein-
dotibus ut intelligerent quis ad baptismum iam rite admitteretur, qui ad-
huc differretur. Juxta hoc et dominus in evangelio ait: Scrutamini
3cripturas.
*) In Aquileja nach Ausweis des Aquileiense catechumenorum scru-
tinium (abgedr. in Fr. Io. Franc. Bernard. Mar. de Rubeis, De vetustis
liturgicis aliisque sacris ritibus. Venet. 1754 c. 10), in welchem Patriarch
Lupo I (nach 856) handelnd eingeführt wird. Für Rom hingegen ist be-
weisend ausser Amalar. de eccl. offic, bes. I 8, der Cod. Sessorianus 52,
vgl. Rev. Bened. 1897 p. 481-488.
') Jesse von Amiens, Epistola de baptismo Ml. 105, 782 —785. Ama-
lar von Trier, Epistola de caerimoniis baptismi Ml. 99, 894 — 897.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 47
fache Exorcisationen verstand, die in dieser Anzahl recht gut
im mailändischen Taufordo vorhanden sein konnten. *)
Ausser den Skrutinien gehören in die Kompetentenzeit die
Symbolübergabe und ' 2 ) die Katechese (c. IX).
Uber die erstere ist nicht viel zu sagen. Sie bestand
natürlich nur in einer einfachen Recitation des Symbols. In-
dessen ist auch das charakteristisch, dass Odilbert von der im
alten Katechumenat wie unter der Herrschaft des Skrutinien-
ritus glänzend entwickelten Feierlichkeit der Symbol Übergabe
nichts zu sagen weiss. Er nennt sie nur in der Überschrift
und erörtert im übrigen ausschliesslich den Begriff Symbolum.*)
Hingegen ist Odilberts Erklärung von Katechese nur zu
verstehen, wenn man sich der mit diesem Begriff inzwischen vor-
genommenen Umgestaltung erinnert. Sie ist schon bei Johannes
Diakonus eine unter Handauflegung sich vollziehende Unter-
weisung über das, was der Täufling jetzt ist, und was er nach
der Taufe sein wird. Man wird an das vom Skrutinien formular
vorgeschriebene Exorcisationsgebet erinnert: 4 ) Ut exeas et re-
cedas ab hoc famulo dei quem hodie dominus deus noster Ie-
su8 Christus ad suam sanctam gratiam et benedictionem fon-
*) Beroldus und der oben S. 44 Anm. 1 genannte Ordo kennen Rom-
petentengottesdienste an den Samstagen vor Okuli, Lätare und Judika,
entsprechend der alten römischen und neapolitanischen Gepflogenheit (vgl.
mein: Symbol und Katechumenat S. 170—173. 218). Man wusste also auch
im 12. Jahrhundert nichts von sieben Skrutinienmessen in Mailand.
2 j vel = et. Ducange, Glossarium VI 755.
3 ) Die späteren Mailänder Ordines kennen einen Kompetentengottes-
dienst, bei welchem das Symbol übergeben wurde, am Samstag vor Palm-
sonntag. Vgl. auch Ambrosianae missae ritus et ordo bei Pamel, Liturgica
Latinorum 1571 1 336 sq. Ebenso in den Observationcs de ritu Ambrosiano V
16 bei Mabillon. Museum Italicum Tom 1 p. 2 pag. 108. freilich mit dem
Zusatz: Haec pro traditione symboli quae in recentioribus missalibus am-
plius non comparent. In der That bietet Gerbert (Monunienta vetcris li-
turgiac Alcraannicae 164) dieselbe Messe, ohne dabei die Symbolübergabe
zu erwähuen. Auch Leidrad von Lyon und Theodulf von Orleans er-
wähnen die Übergabe des Symbols nur beiläufig, während Maxentius von
Aquileja und Magnus von Sens nicht einmal den Namen nennen.
4 ) Sacrament. Gelas. I 42. Zu Johannes Diakonus vgl. Holtzmann,
Die Katechese der alten Kirche (in den Theolog. Abhandlungen. Carl
von Weizsäcker zu seinem siebzigsten Geburtstage 11. Dec. 1892 gewidmet)
S. 94.
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48 IV. Anmerkungen zu dem durch Üdilbert repräsentierten Taufordo etc-
temque baptismatis doDO vocare dignatus est, ut fiat eius tem-
plum per aquam regenerationi9 in remissionem omnium pecca-
torum in nomine domini nostri Iesu Christi. Denn gleicherweise
handelt es sich auch bei dieser sog. Katechese Odilberts nur um
das der Taufe direkt voraufgehende wichtigste Exorcisations-
gebet. 1 )
Für das Effeta gehen die Gewährsmänner weit zurück, und
Odilbert (c. X — XII) ist daher in der Lage, über diese Cere-
monie mehr als ausführlich zu referieren , freilich sehr auf
Kosten der Übersichtlichkeit, denn er bringt in c. X auch
Ausdeutungen der Lippen- und Augensalbung bei, nach denen
der Kaiser nicht gefragt hatte, und die sich gewiss auch nur
ausnahmsweise im Taufvorbereitungsceremoniell irgend einer
Kirche in jener Zeit nachweisen lassen. 2 ) Dagegen ist die
Benetzung von Ohren und Nase mit Speichel wohlbekannt.
Man berief sich für dieselbe auf die Heilung des Taub-
stummen (Mark. 7, 31), liess aber gleichwohl aus Gründen der
Delikatesse an Stelle der Berührung des Mundes die der Nase
treten. 3 ) Mit diesem Akte, der im Vorhof des Baptisteriums
») Siehe oben S. 45.
fl ) Vgl. Leidrad von Lyon, Liber de sacram. bapt. c. 2: Alii etiam os
tangunt oleo ad exemplum dominicum. Leidrad mochte dabei an die
Sitte der Kirche von Toledo denken, wo im Frühgottesdienst des Palm-
sonntags an den Katechumenen das Effeta in der Weise vollzogen wurde,
dass ihnen der Priester Ohren und Zunge mit Ol salbte auf Grund von
Mark. 7, 31 — 37. Ildefons, de cognit. bapt. c. 27 — 29. Anecdota Mared-
solana I 411.
*) Ambros. de myster. 1, 4: Sed ille (Christus) os tetigit, quia et
mutum curabat et virum, in altero, ut os eius infusac sono vocis aperiret,
in altero. quia tactus iste virum decebat, feminam non decebat. De sa-
crament. I 1, 3: Sed dicis mihi: Quare nares? Ibi quia mutus erat, os
tetigit, ut quia loqui non poterat sacram enta caelestia. vocem acciperet a
Christo. Et ibi quia vir; hic quia mulieres baptizantur et non eadem pu-
ritas servi quanta et domini, ideo propter gratiam operis et muneris non
os tarigit episcopus sed nares. Anders Maximus von Turin (De baptismo
tract. I Ml. 57. 774) : Nares quoque vestras oleo benedictionis adunximus.
Dazu die mystische Ausdeutung: Adhuc subtilior intellectus in hac na-
rium unctione Signatur. Illius enim olei odor, quod in Christi nomine et
virtute benedictum est. ad odoratum vos provocat spiritalem. ut non cor-
poris sed mentis sensibus Christum inaestimabili suavitate sentire possitis ;
et delectati notitia oris eius, ipsius vestigia subsequentes dicere valeatis
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 49
vorgenommen wurde, schloss die Taufvorbereitung in alter Zeit ;
unmittelbar darauf öffneten sieb die Thüren des Taufraumes. 1 )
Ganz entsprechend findet sich das Effeta unter der Herrschaft
der Skrutinienmessen im siebenten d. h. letzten Skrutinium, wenn-
gleich den eigentlichen Schluss hier eine Symbolrückgabe bildet.
Dicht vor dem Taufakt endlich treffen wir es wieder bei Odilbert.
Dagegen hat diese Ohrenöffnung mit der feierlichen
Skrutinienmesse in apertione aurium nichts zu thun. Die
letztere, eine durchaus eigenartige Erscheinung, weist höchstens
mit dem toletanischen Ceremoniell am Palmsonntag eine Ver-
wandtschaft auf.
Dem siebenten und letzten Skrutinium, welchem die Ohren-
öffnung angehörte, fehlte die feste Einfügung in den Rahmen
der Messe. Man schwankte in seiner Beurteilung, indem man
in ihm bald den Abschluss der Vorbereitungsgottesdienste
sah, bald die Eröffnung des Taufaktes, dem es ja in der That
fast unmittelbar voranging. Diese Unsicherheit im allgemeinen
hatte natürlich leicht Änderungen im einzelnen zur Folge.
Dahin gehört eine Erweiterung, welche jenes Skrutinium auf
fränkischem Boden erfuhr; nach der letzten grossen Exor-
cisation und dem Effeta nahm der Täufling den Kampf gegen
den Satan gewissermassen persönlich auf, indem er sich wie der
Kämpfer in der Arena Brust und Oberarme salben liess und
gleichzeitig in dreimaliger Absage den Austritt aus dem teuf-
lischen Vasallenverhältnis erklärte.
Damit soll freilich nicht gesagt sein, dass Olsalbung an
Brust und Schultern und Abrenuntiation Produkte der jungen
fränkischen Kirche gewesen seien; nur ihre Vereinigung mit
dem siebenten Skrutinium und ihre Hinzurechnung zu der
illud quod ad deum credentium chorus loquitur: Post te in odorem un-
guentorum tuorum currimus (Cant. I 3). Hier ist also nicht bloss an Stelle
des Mundes die Nase, sondern auch an Stelle des Speichels das Ol ge-
treten. Die Ausdeutung behielt auch fernerhin ihre Geltung, so hat Leid-
rad von Lyon (De Sacram. bapt. c. 2) sich dieselbe wörtlich angeeignet,
wenngleich er es im übrigen zweifelhaft lässt, ob in seiner Gemeinde die
Benetzung mit Speichel oder die Salbung mit Öl das Übliche war.
x ) Ambros. de myster. 2, 5: Post haec reserata tibi sunt saneta
sanetorum, ingressus es regenerationis sacrarium.
Wiegand, Odilbert von Mailand. 4
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50 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
Taufvorbereitung dürften sich auf die fränkische Kirche zurück-
führen. Denn die Ölsalbung war zur Zeit des Ambrosius der
erste Akt nach dem Eintritt in das Baptisterium, eröffnete also
die Tauffeierlichkeit selbst. 1 )
Ihr schloBS sich von ältester Zeit her die Abrenuntiation
als zweiter Akt an, 9 ) bis auch sie im Zeitalter des Skrutmien-
ritus der Taufvorbereitung zugewiesen, d. h. im letzten am
Ostersamstag stattfindenden Skrutinium vorgenommen wurde.
*) Ambros. de sacrament. I 2, 4 : Venimus ad fbntem, ingressus es. Oc-
currit tibi levita, occurrit presbyter, unctus es quasi athleta Christi, quasi
luctam huius saeculi luctaturus, professus es luctaminis tui certamina.
a ) Für die enge Zusammengehörigkeit beider in unserem Zeitalter
vgl. Leidrad von Lyon, Lib. de sacram. bapt. c. 2: Unguntur etiam nunc
catechumeni in pectore et inter scapulas oleo exorcizato, cum abrenuntiant
satanae et operibus ac pompis eius. — Der bestimmte Wortlaut der Ab-
renuntiationsformel hat sich erst allmählich herauskristallisiert. Bei Am-
brosius ist sie vier- bezw. fünfteilig. Hexaemeron I 4, 14: Tibi diabole
et angelis tuis et operibus tuis et imperiis tuis. De sacram. I 2, 5: Di-
abolo et operibus eius, saeculo et voluptatibus eius. De myster. II 5: Di-
abolo et operibus eius, mundo et luxuriae eius ac voluptatibus. Ebenso
Hieronymus (Epist. 130 ad Demetriadem c. 7 Ml. 22, 1113): Tibi diabole et
saeculo tuo et pompae tuae et operibus tuis. Niceta von Remesiana
scheint eine nur zweiteilige Formel (diabolo et operibus eius) gehabt zu
haben; doch führt er sie, wenn er darauf zu sprechen kommt, jedesmal
weiter aus, besonders um die Bedeutung der opera und ihre Beziehung
zu allen Seiten des menschlichen Lebens hervorzuheben. Vgl. Explanat.
symb. c. 1 : Inimico et angelis eius et universae magicae curiositati quae
constat eius per angelos satanae. Deinde operibus eius malis et culturae,
idolis sortibus et auguriis, pompis et theatris. fornicationibus ebrietatibus
choris atque mendaciis. Sog. Denissches Fragment III (Ml. 52, 873—876) :
Diabolo, diabolicae vanitati. Deinde operibus eius malignis. id est cultu-
ris et idolis, sortibus et auguriis, pompis et theatris, furtis et fraudibus,
homicidiis et fornicationibus, superbiae et iactantiae, irae et avaritiae, co-
messationibus et ebriositatibus, choris atque mendaciis et his airailibus malis.
Die Bedeutung des Wortes pompae, welches später mit diabolus und opera
zusammen die stereotype dreiteilige Formel bildet, erhellt aus seiner
häufigen Zusammenstellung mit theatra ; die pompae bilden die „praeeipua
pars circensium," die „sollemnis simulacrorum deduetio quae honoris causa
per publicas urbis vias ad circum usque habebatur, antequam circenses
ludi ederentur," also die feierliche Prozession der Götterbildnisse. Vgl.
hierzu Tertull. de spectac. c. 7. Sie repräsentieren also die das Gemüt
der Heiden beherrschende Macht des Götzendienstes im eigentlichsten
Sinne. Und der Abscheu gegen diese pompae hielt sich daher auch noch,
■
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 5 1
Das letztere entschieden mit Unrecht. Denn wenngleich Öl-
salbung und Abrenuntiation eng zusammengehören, ja die Ab-
renuntiation überhaupt nichts anderes ist als die Vollzugsformel
der Ölsalbung, so sind noch viel weniger Abrenuntiation und
Glaubensbefragung zu trennen; denn die letztere ist das posi-
tive Gegenstück zur ersteren. Die Glaubensbefragung aber galt
zu allen Zeiten als ein integrierender Bestandteil des Tauf-
aktes. 1 ) Odilbert handelt daher durchaus korrekt, wenn er
beide in einem Kapitel (c. XIV) zusammenzieht. Ölsalbung,
Abrenuntiation und Glaubensbefragung eröffnen bei ihm wieder
wie bei Ambrosius den Taufakt (c. XIII. XIV).
Dagegen fehlt bei Odilbert jede Erinnerung an eine Rück-
gabe des Symbols. In der Zeit des altkirchlichen Katechu-
menates hatte dieselbe den Abschluss der Kompetentenzeit, der
Taufvorbereitung, gebildet. Sie war ein hochbedeutsamer Vor-
ais Konstantin die Götterbilderprozession selbst aus dem Programm der
Circensischen Spiele gestrieben hatte. Denn die Christen des 4. Jahr-
hunderts bezogen den Namen auf die Circensischen Spiele mit ihrem der
sittlichreligiösen und geistigen Lebensauffassung des Christen wider-
streitenden Charakter überhaupt. Vgl. Cyrill von Jerusalem, catech. 19
(mystag. 1.) c. 6: Tto/uni] de foaßolov iari &eaTpoftat>iat ttai Innod^o/utat,
xwrjyeota xai näaa xotatnrj (iaiai6rr]s. Salvian. de gubernat. dei VI 6:
Quae est in baptismo salutari christianorum prima confessio? Quae scili-
cet nisi ut renuntiare se diabolo ac pompis eius atque spectacuüs et operi-
bus protestentur? Ergo spectacula et pompae etiam iuxta nostram pro-
fessionem opera sunt diaboli. De symbolo ad catechumenos sermo III
c. 1, 1 (August, opp. Tom. VI Appendix Ml. 40, 652 sq.): Pompae diaboli
sunt quaeque illicita desideria, quae turpant, non quae exornant animam,
ut sunt desideria carnis, desideria oculorum, ambitiones saeculi. Ad con-
cupiscentiara carnis pertinent illecebrae voluptatum, ad coneupiscentiam
oculorum nugacitas spectaculorum, ad ambitionem saeculi insana superbia.
In der Abrenuntiationsformel lassen sich die pompae bereits bei Tertullian
(De corona mil. c. 3: Diabolo et pompae et angelis eius. Vgl. De spectac.
c. 4) und Origenes (Homil. 12 in Numeros c. 4: Quid renuntiaverit dia-
bolo : non se usurum pompis eius neque operibus eius neque ullis omnino
servitiis eius ac voluptatibus pariturum) nachweisen. Die spätere stereo-
type Form dürfte zuerst von Cäsarius von Arelate (August, opp. Tom. V
Appendix Sermo 264 c. 3 : Diabolo, pompis et operibus eius) gebraucht sein.
*) Hieron. in Arnos (6, 13) lib. III Ml. 25, 1119: Unde et in myste-
rüs primum renuntiamus ei qui in occidente est nobisque moritur cum
peccatis, et sie versi ad orientem pactum inimus cum sole iustitiae et ei
servituros nos esse promittimus.
4*
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52 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
gang gewesen, eine notwendige Ergänzung zu der vorange-
gangenen Symbolübergabe. Hingegen hatte sie unter dem auf
Kinder berechneten Skrutinienritus alle selbständige Bedeutung
verloren. Mochte es sich damals um die Ubergabe oder um
die Rückgabe des Symbols handeln, beidemale wurde in einer nur
ceremoniell verschiedenen Weise das Glaubensbekenntnis über
die Kinderschar hin gesprochen. Immerhin konnte dies in Rom
noch gehen. Denn nicht nur waren dort die beiden ziemlich
identischen Akte durch Wochen von einander getrennt, sondern
es lagen auch scheidend die Olsalbung uüd die Abrenuntiation
zwischen der die Taufvorbereituug schliessenden Symbolrück-
gabe und der ihr sehr verwandten und fast unmittelbar dar-
auffolgenden Glaubensbefragung, welche dem Taufakt unmittel-
bar voraufging. Wie aber, wenn, was bei den Skrutinien im
Frankenreiche der Fall war, Olsalbung und Abrenuntiation der
Symbolrückgabe vorangingen? Dann endete die Taufvorberei-
tung mit einem Aufsagen des Symbols, und der fast unmittel-
bar sich daran anschliessende Taufakt begann mit dem in
Frageform gefassten Symbol. Zwei nahezu identische Hand-
lungen stiessen also zeitlich dicht aufeinander. Bei Odilbert
finden wir dieses Dilemma durch eine Verschmelzung beider
gehoben. Der Taufvorbereitung bezw. dem Kompetentenstand
ist in Erinnerung an die alte Symbolübergabe die priesterliche
Recitation des Symbols verblieben (c. IX). Aber die Symbol-
rückgabe geht in den analogen Tauffragen auf, welche natür-
lich den Inhalt des apostolischen Symbols ganz oder, wie ge-
wöhnlich, nur auszugsweise repräsentieren. 1 ) Somit besteht
*) Die Glaubensfragen enthielten entweder nur das Bekenntnis zur
Trinität oder umi'assten den Wortlaut des apostolischen Symbols in mehr
oder weniger abgekürzter Form. Vgl. Tertull. de cor. milit. c. 3 : Dehinc
ter mergitamur amplius aliquid re9pondentes quam dominus in evnngelio de-
terminavit. De spectac. c. 4: Cum aquam ingressi christianam fidem in
legis suae verba profitemur. Ambros. de myster. 5, 28: Recordare quid
responderis, quod credas in patrem, credas in filium, credas in spiritum
sanctum. De sacrament. II 7, 20: Credis in deum patrem omnipotentem ?
Credis in dominum nostrum Iesum Christum et in crucem eius? Credis et
in spiritum sanctum? Hieron. dialogus contra Luciferianos c. 12 ML 23,
175: Praeterea cum solemne sit in lavacro post trinitatis confessionem
interrogare: Credis sanctam ecclesiam? Credis remissionem peccatorum?
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 53
also nach Odilbert der Taufakt aus Ölsalbung, Abrenuntiation,
Taufbefragung, Taufe.
Auf die Tauf wasserweihe, welche nach der Abrenuntiation
stattgefunden haben dürfte, gehe ich hier absichtlich nicht näher
ein, da weder Karl noch Odilbert ihrer Erwähnung thun.
Ehe Odilbert die Taufe selbst nennt, kommt er in c. XV
noch auf die Paten zu sprechen , deren Pflicht darin besteht,
für die Kinder die Abrenuntiation zu leisten und auf die Tauf-
fragen zu antworten. 1 )
In c. XVI rechtfertigt Odilbert das dreimalige Untertauchen
bei der Taufe durch den Hinweis auf die Trinität und die
dreitägige Grabesruhe Christi. Es ist bekannt, dass die Taufe
in Spanien nur in einmaligem Untertauchen bestand. Damit
sollte im Gegensatz zu den arianischen Bewohnern des Landes
der einheitliche göttliche Charakter der Trinität zum symbo-
lischen Ausdruck kommen. 2 )
Maxim. Taurin. tract. II de baptismo Ml. 57, 775 : Credis in deum patrem
omnipotentem? Credis et in Iesum Christum filium eius qui conceptus est
de spiritu sancto et natus est ex Maria virgine? Credis et in spiritum
sanctum. — Bei Pirminius (Scarapsus c. 12) sind die drei Glaubensfragen
identisch mit den drei Artikeln des Symbols. Zeitweise dienen die
Glaubensfragen auch als Gegengewicht gegen herrschende Irrlehren, vgl.
Messbuch von Auxerre XXV (Muratori, Liturg. romana vet. II 741): Cre-
dis patrem et nlium et spiritum sanctum unius esse virtutis? Credis
patrem et filium et spiritum sanctum eiusdem esse potestatis ? Credis pa-
trem et filium et spiritum sanctum trinae veritatis, una manente substantia,
deum esse perfectum?
*) Leidrad von Lyon (Liber de sacram. bapt. c. 10) behandelt ein-
gehend das Pateninstitut, und Amalar von Trier erwähnt das Patenexamen
(Epist. de caorim. bapt. Ml. 99, 898).
l ) Ildefons, de cognit. bapt. c. 117: Quod autem semel mergitur, in
unius deitatis nomine tingitur. Si autem tertio mergatur, trium dierum
sepulturae domini numerus demonstratur. Unde in una fide nihil contra-
rium habet consuetudo diversa. Sed quia haeretici in hoc numero mer-
sionis unitatem solent scindere deitatis a deo, potius est quod ecclesia dei
unius usum observat tantummodo tinctionis. Diese Ausnahmestellung ward
der spanischen Kirche von Gregor dem Grossen direkt gewährleistet durch
einen Brief an Bischof Leander von Sevilla (Epist. lib. I 43), der auf der
4. Synode von Toledo 633 verlesen wurde und alsdann in die Akten der-
selben (can. 6) überging. Mansi, Conc. coli. X 618 sqq. Hefele, Concilien-
gesch. III 80. Über diese verschiedenen Arten des Taufritus spricht sich
Leidrad von Lyon (1. c. c. 6) ausführlich aus.
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54 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
Hat, woran nicht zu zweifeln sein dürfte, Odilbert die
einzelnen Akte planmässig, und nicht etwa willkürlich, an ein-
ander gereiht, so beginnen die postbaptismalen Akte nicht, wie
dies ursprünglich der Fall gewesen ist, mit der Anlegung der
weissen Tauf kleider. Denn sofern es sich um Erwachsene handelte,
verlangte schon der Anstand, den Moment der Entkleidung
möglichst zu kürzen. Das allererste nach der Untertauchung
musste die Bekleidung des Körpers sein, und da diese in Ge-
stalt der Anlegung von weissen Taufkleidern sich vollzog, so
bildete die letztere naturgemäss den ersten unter den an die
Taufe sich anschliessenden Akten.
Wenn nun bei Odilbert gleichwohl die Ohrismation
(c. XVII) und die Anlegung der Stirnbinde (c. XVIII) vor-
angehen, so erklärt sich dies wiederum daraus, dass das ganze
Ceremoniell auf die Kindertaufe zugeschnitten ist. Bei kleinen
Kindern aber kommt weder die Decenz in Frage, noch handelt
es sich um ein eigentliches Anziehen von Kleidern. Die litur-
gische Umhüllung derselben mit dem weissen Kleide konnte
ruhig einen Augenblick anstehen, bis die beiden anderen zeit-
lieh rasch zu erledigenden Handlungen erfolgt waren. Daher
liegt kein sachlicher Grund vor, die Reihenfolge bei Odilbert
zu ändern. 1 )
Dass der Taufe unmittelbar eine Salbung und etwas später
eine Handauflegung zu folgen habe, war uralte Sitte des
Abendlandes.
Schon Tertullian nennt beide ganz ausdrücklich und sucht
dieselben mit Hilfe biblischer Analoga zu begründen. 2 ) Beide
gehören nach seiner Ansicht wesentlich und notwendig zur
Taufe; ohne sie wäre diese letztere nicht vollständig. Und
zwar macht die Ol salbung die Getauften zu Priestern, die den
*) Dass diese Reihenfolge nicht ohne Grund von Odilbert gewählt ist,
beweist dieselbe Anordnung bei Leidrad von Lyon, vgl. 1. c. c. 7: De sacra
unetione. c. 8.: De vestimentis albis. Ebenso bereits im Sakramentar von
Autun (Missale Gothicuni bei Muratori, Liturg. rom. vet. II 592) : Dum
Chrisma eum tangis. Dum pedes eius lavas. Dum vestimentum ei imponis.
*) Tertull. de bapt. c. 7 : Exinde egressi de lavacro perangimur bene-
dicta unetione de pristina diseiplina, qua ungi oleo de cornu in sacer-
dotium solebant. c. 8: Dehinc manus imponitur, per benedictionem advo-
cans et invitans spiritum sauetum.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 55
Namen Christen im eigentlichsten Sinne führen. Sie ist eine
Weihe, die, im alten Bunde auf Hohepriester und Könige
beschränkt, seit Christus allen Getauften zuteil wird ; dagegen
teilt sie den heiligen Geist nicht mit. Auch Cyprian bezeich-
net die Ketzertaufe ausschliesslich deshalb als ungiltig, weil
den Ketzern die Möglichkeit einer korrekten Ölsalbung fehlt: 1 )
eine Anschauung, durch welche die der Taufe folgende Chris-
mation im Abendlande noch ganz besonders empfohlen wurde.
Jedenfalls behaupten sich fortan Chrismation und Hand-
auflegung als integrierende Bestandteile des den eigentlichen
Taufakt abschliessenden Ceremoniells und verursachen der
wissenschaftlichen Untersuchung eine Schwierigkeit über die
andere. Hauptsächlich begegnen drei Probleme. Machen Sal-
bung und Handauflegung zusammen das aus, was man später
die Konfirmation bezw. die Firmung nennt? 2 ) Oder hat die
letztere als durchaus selbständige und dem Bischof vorbehaltene
Handlung von vornherein nur in der Handauflegung bestanden,
während die Salbung eine nur die Taufe abschliessende und
daher auch vom Priester zu spendende Ceremonie ist? Oder
hat man eine doppelte Salbung zu konstatieren, eine Scheitel-
salbung durch den Priester als Abschluss der Taufe und eine
Stirnsalbung durch den Bischof als intregierenden Bestandteil
der Konfirmation? Es ist ausser Zweifel, dass in Bezug auf
diese Gebräuche sowohl zwischen Morgenland und Abendland
grosse Differenzen obwalteten, als auch dass das Abendland in
seinen verschiedenen Provinzen und zu verschiedenen Zeiten
zu denselben eine andere Stellung eingenommen hat. Daraus
erklären sich die abweichenden Ansichten der heutigen Theo-
logen über Entstehung, Wesen, Bedeutung und Handhabung
der Konfirmation.
*) Epist. 70 ad Ianuarium c. 2 : Ungi quoque necesse est eum, qui
baptizatus sit, ut accepto chrismate i. e. unctione esse unctus dei et
habere in se gratiani Christi possit. — Sanctificare autem non potuit olei
creaturam qui nec altare habuit nec ecclesiam. Unde nec unctio spiritalis
apud haereticos potest esse, quando constet oleum sanctificari et eucha-
ristiam fieri apud illos omnino non posse.
2 ) Theodor von Kanterbury, Poenitentiale c. 4 Ml. 99, 929: Con-
firmationem episcopi non disputamus ; tarnen in Nicaeno synodo fuit chris-
ma constitutum.
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56 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
Dass aber an Stelle der von Tertullian und Cyprian ge-
nannten Salbung mit Ol im Laufe der Jabrbunderte eine solche
mit Chrisma getreten ist, erklärt sieb leiebt aus der liturgischen
Notwendigkeit, die der Taufe folgende Salbung von der der
Taufe vorangebenden aueb in Bezug auf die Substanz zu unter-
scheiden.
Im engsten Zusammenbang mit der Salbung des Scheitels
durch den Priester stand der Gebrauch des Linteolum (c.
XVIII). Diese Binde oder Mütze sollte das gesalbte Haupt
vor Verunreinigung oder Berührung mit der profanen Um-
gebung schützen. Gleichwohl ist die Sitte nicht sehr alt und
blieb, wie es scheint, auf das Abendland beschränkt. Johannes
Diakonus, auf den sich Odilbert beruft, dürfte ihr erster Ge-
währsmann sein. Bei Gregor dem Grossen heisst die Binde
„birrus albus", 1 ) bei Hrabanus Maurus nur „mysticum vela-
men", 2 ) im späteren Mittelalter „chrismale" oder „cappa".
Später nähte man sie gern an das Taufhetnd an, und die
Mütter trugen bereits vor der Entbindung dafür Sorge, sich
eine solche „interula" samt „cappa" für den erwarteten Täuf-
ling zu beschaffen. s )
Hingegen gehört die Anlegung der weissen Kleider zu den
ältesten und weit verbreiteten Taufceremonien. Denn zahl-
reiche Beispiele der neutestamentlichen Bildersprache wiesen
auf dieselben hin. Es wäre fast wunderbar gewesen, wenn die
nach augenfälligen Darstellungsmitteln Verlangen tragende
l ) Epist. lib. IX 6 Ml. 77, 944.
*) De instit cler. I 29.
•) Vgl. noch im Anfang des 16. Jahrhunderts die interessante Schilde-
rung des bayrischen Karthäusers Johannes von Landsberg: flodie raultis
Germaniae ac Italiae episcopatibus infantes, dum e sacro fönte levantur,
parva prixnum interula induuntur, cui annexum capitium est monastici cu-
culli schemate, in ipsoque crucis Signum assutum est, cuiusmodi interulas
beatissima illa Elizabeth regina pauperculis ingenti cum devotione con-
ficere atque donare solita fuit. — Saepe sane et audivi et perspexi foe-
minas dum partui propinquae sunt eiusmodi quales ipse commemoraati
conficere interulas, sed quando infantes iis induantur, non vidi. Nunquamne
infantem ullum e sacro fönte levasti? Ita, semel dumtaxat. Non ergo
tum id observasti? De monasteriis et monachis dialogus pius c. 3. (Mi-
norum operum D. Ioann. Iusti Lanspergii libri sex. Uoloniae 1654).
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I V. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo eto. 57
Kirche sich einen solchen Ritus hätte entgehen lassen. Der
Täufling trug seine „alba vestis" in Spanien bis zum dritten Tage
nach Ostern und legte sie mit einem gottesdienstlichen Ceremoniell
ab, dessen Gebete uns bei Ildefonsus von Toledo erhalten sind. 1 )
Gewöhnlich aber ging der Neophyt bis zur Oktave des Tauftages
weiss, d. h. bis zum Samstag nach Ostern. Daher man in jener
Zeit korrekterweise von einein „sabbatum in albis" und einer „do-
minica post albas" spricht. 2 ) Dagegen feiert das gelasianisch Sa-
kramentar die Passahoktave am Sonntag nach Ostern als Oktave
der Neugetauften. 3 ) Und ebenso schliesst das Homiliarium Karls
des Grossen die Lektion des „pascha annotina" d. h. der Neo-
phytenfeier erst der Osteroktave an, statt sie dieser voran zu
stellen und sie dem sabbatum paschae folgen zu lassen. Bei
dem grossen Einfluss aber, welchen das Homiliar auf das Zu-
standekommen des römischen Breviers ausgeübt hat, liegt die
Vermutung nahe, dass auch auf seine Autorität hin das Bre-
vier den Ausdruck „dominica in albis" anwendet, was dann
weiter zu der unhistorischen Bezeichnung des „weissen Sonntags"
geführt hat, für die es jedenfalls in der Alten Kirche wie im
frühen Mittelalter keine Begründung gibt. 4 )
Mit dem hochzeitlichen Kleide angethan, tritt der Neu-
getaufte sofort an den Tisch des himmlischen Bräutigams.
Denn seit der ältesten Zeit folgte der Taufe sofort die erste
Kommunion (c. XX) und zwar nicht nur bei Erwachsenen,
*) Ildefons, de cognit. bapt. c. 142. Die bei dieser Gelegenheit ge-
haltene Rede ebendas. und im Homiliar von Toledo (Anecd. Mareds. I 413).
9 ) Vgl. unt. and. Ambrosianae missae ritus et ordo bei Pamel, Litur-
gica Latinorum 1571 I 363: Sabbato in albis; I 364: Dom. in albis depo-
sitis. — Sacrament. Gregorian. (Muratori, Liturg. rom. vet. II 75): Die
dominico post albas. — Amalar. lib. de ord. antiphonarii e. 51 : De sabbato :
Sic loquitur, quasi hi loquantur ad ecclesiam qui in Christo baptizati sunt,
et sunt agni novelli et hodie revertuntur ad fontes ut exuant se albis.
s ) Sacram. Gelauian. 1 53.
4 ) Homiliar. II 14: Die sabbato paschae. II 15: Dominica octava
paschae. II 16: In pascha annotina. Über die Beziehungen zwischen
dem Homiliar Karls und dem Brevier vgl. Batiffol, Hist. du breviaire ro-
main. p. 97. P. Suitbert Bäumer, Gesch. d. Breviers S. 286 f. Rose, Die
latein. Meermann-Handschriften des Sir Thom. Phülipps in d. kgl. Biblioth.
zu Berlin 1892 S. 83. Revue Benedictine 1891 p. 270-280. 1893 p. 16—27.
.1895 p. 396.
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58 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc .
sondern auch bei Kindern. Erst wenn er auch von diesem
wichtigsten Rechte Gebrauch gemacht hatte, galt der Täufling
als vollkommenes Gemeindeglied. Am stärksten spricht dies
Augustin aus; für ihn ist nur dasjenige Kind wiedergeboren
und des ewigen Lebens sicher, welches der Taufe und der
Kommunion teilhaftig geworden ist. Und nicht viel anders
lauten die Urteile bei Papst Innocenz I, Gelasius I und anderen. 1 )
So hat sich die Sitte der Kinderkommunion bis tief in das
Mittelalter hinein behauptet. 2 )
') August, de peccat. merit. I 20, 27: An vero quisquam etiam hoc
dicere audebit, quod ad parvulos haec sententia non pertineat possintque
sine participatione corporis huius et sanguinis in se habere vitam? Epist.
186 ad Paulinum Nolan. c. 8, 30 Ml. 33, 827: Nullus negat aut dubitat
parvulos non accepta gratia regenerationis in Christo, sine cibo carnis
eius et sanguinis potu. non habere in se vitam. Contra duas epist. Pe-
lag. I 22 : Nec illud cogitatis eos vitam habere non posse qui fuerint
expertes corporis et sanguinis Christi. Sermo 174 c. 6, 7 Ml. 38. 944:
Jnfantes sunt sed membra eius fiunt. Infantes sunt sed sacramenta eius
accipiunt. Infantes sunt sed mensae eius participes fiunt, ut habeant in
se vitam. — Innocent. I pap. epist. 93 ad patres concilii Milevitani c. 5
Ml. 33, 785: Parvulos aeternae vitae praemiis etiam sine baptismatis gratia
posse donari, perfatuum est. Nisi enim manducaverint carnem filii homi-
nis et biberint sanguinem eius, non habebunt vitam in semetipsis. — Fer-
randi epist. ad Fulgent. c. 4 Ml. 65. 380: Maxime quia licet multos in
hac re moveri videam, sacpe tarnen plus ipse commoveor, haesitans qualis
debeat haberi sententia de his qui etiamsi legitime sana mente baptizantur,
praevcniente velocius morte, carnem domini manducare et sanguinem eius
bibere non sinuntur. — Utrum noceat, quantum noceat. an omnino nihil
noceat. si quis baptizatus in nomine sanctae trinitatis sacro cibo potuque
fraudetur. — Gelasii epist. 7 ad omnes episcop. per Picenum Ml. 59, 37 :
Nec ausus est aliquis dicere parvulum sine hoc sacramento salutari ad
aeternam vitam posse perduci.
a ) Theodulf von Orleans. Lib. de ordine baptismi c. 18: Propter hanc
vitam adipiscendam et baptizamur et eius carne pascimur et eius sanguine
potamur. quia nequaquam possumus in eius corpus transire, nisi his sacra-
mentis imbuamur. — Morem ergo accipiendae eucharistiae a domino tra-
ditum ecclesia tenet, ut cum ex aqua et spiritu sancto quis renascitur,
corpore domioi pascatur et sanguine eius potetur (vgl. Magnus von Sens,
Libellus de mysterio bapt. Ml. 102, 984). — Leidrad von Lyon, Lib. de
sacramento baptismi c. 9 : Oportet renovatos per baptismum mensae domi-
nicae applicari. Qui enim dixit: Nisi quis renatus fuerit ex aqua et Bpi-
ritu sancto, non intrabit in regnum caelorum, dixit: Nisi manducaveritis
carnem meam et biberitis sanguinem meum, non habebitis vitam in vobis.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 59
Erst im 11. Jahrhundert kommt es zu Erörterungen über
die Zweckmässigkeit derselben, und Hugo von St. Viktor hält
die Kinderkommunion für überflüssig. 1 ) Dementsprechend wird
sie vom Tridentinischen Konzil zwar nicht für notwendig, aber
für zulässig erklärt. 2 )
Strittig konnte aber die Frage sein, ob auch das un kon-
firmierte Kind zur Kommunion zuzulassen sei, oder ob ihm die
Teilnahme an derselben erst nach empfangener Handauflegung
zustand. In der That herrschen hier Meinungsdifferenzen. Das
fränkische Gelasianum schliesst die Handauflegung direkt an
Taufe und Scheitelsalbung an, hält also dafür, dass nur konfir-
mierte Täuflinge an der Kommunion teilnehmen. Und ebenso
urteilen Leidrad von Lyon, Magnus von Sens und Theodulf
von Orleans. 3 ) Diesen strengen Standpunkt teilt aber nicht
Omnis ista sententia tenet, ut sine corpore et sanguine filii hominis vitam
habere non possint. — Hraban. Maur. de institut. cleric. I 29: Deinde cor-
pore et sanguine dominico omne praecedens sacramentum in eo confirma-
tur, quia haec ideo accipere debet, ut deum habere mereatur in se habi-
tatorem et illius sit capitis membrum, qui passus est et resurrexit pro
nobis.
*) De caerim. sacram. offic. et observ. eccl. I 20 in Hugon. de St.
Victore opp. Appendix Ml. 177. 392: Unde si eius valetudinis est, sacra-
menta unitatis id est corpus et sanguinem Christi accipere debet. Pueria
recens natis idem sacramentum in specie sanguinis est ministrandum di-
gito sacerdotis quia tales naturaliter sugere possunt. — Unde ignorantia
presbyterorum adhuc formam retinens sed non rem dat eis loco sanguinis
vinum, quod penitus supervacuum arbiträrer si sine scandalo simplicium
dimitti potest. Si autem in reservando sanguinem Christi vel in mini-
strando pueri immineat periculum, potius supersedendum videtur.
8 ) Sess. XXI c. 4: Denique eadem sancta synodus docet parvulos
usu rationis carentes nulla obligari necessitate ad sacramentum euchari-
etiae communionem. — Xeque ideo tarnen damnanda est antiquitas, si eum
morem in quibusdam locis aliquando servavit.
3 ) Sacram. Uelasian. I 44. — Leidrad von Lyon, Lib. de sacra-
mento baptismi c. 7: Et propterea fit manus impositio etc. c. 9: De cor-
pore dominico et sanguine. — Magnus von Sens, Libell. de myst. bapt.
Ml. 102, 983 sq. : Peractis autem omnibus baptismatis sacramentis novissime
per manus impositionem a summo sacerdote etc. Postremo corpore et
sanguine dominico communicantur. — Theodulf von Orleans. Lib. de ord.
bapt. c. 17: Cur ab episcopo confirmatus per manus impositionem acci-
piat septiformis gratiae spiritum. c. 18: Cur corpore et sanguine domi-
nico consummetur. — Jesse von Amiens, Epist. de baptismo Ml. 105,
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60 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
der Redaktor des sog. Gregorianums d. h. Alkuin, der in seiner
jenem Messbuch eingegliederten Sammlung gottesdienstlicher
Formeln die Rubrik hat: Si vero episcopus adest, statim cou-
firmari eum oportet chrismate et postea communicare. Et si
episcopus deest, communicetur a presbytero. 1 ) Odilbert end-
lich weicht auch hier am entschiedensten vom Gelasianum
ab, indem er die Kinderkommunion der Konfirmation ohne
weiteres voraufgehen lässt, jene also ohne diese stillschweigend
für zulässig erklärt. Und Hrabanus Maurus teilt diesen seinen
Standpunkt. 2 ) Indessen scheint späterhin die kirchliche Sitte
den Alkuioschen Mittelweg eingeschlagen zu haben, wenigstens
geht dies aus einer ganzen Reihe von hier nicht naher zu
untersuchenden Sakramentaren hervor.
In der Handauflegung (c. XXI) sieht Tertullian den
zweiten selbständigen Ritus unter denjenigen, welche der Taufe
folgen und sie vervollständigen. 3 ) Und zu Cyprians Zeit gibt
man ihr eine feste biblische Begründung in der Stelle Apostelg.
8, 14 — 17 (Apostelg. 19, 6. Hebr. 6, 2). 4 ) Denn damals spielte
sie eine grosse Rolle im Streite über die Giltigkeit der Ketzer-
taufe, indem die kleinasiatische (Firmilian von Cäsarea) und
die nordafrikanische (Cyprian) Kirche den Häretikern ebensowohl
die Heilskräftigkeit der Taufe wie die der Handauflegung ab-
790sq. : De confirmatione episcopi. De confirmatione corporis et sanguinis
Christi.
J ) Muratori, Liturg. rom. vet. II 158.
*) Hraban. Maur. de instit. cleric. I 29. 30. — Maxentius von Aqui-
leja (Epist. de significatu rituum et caerimoniarum baptismi Ml. 106, 53)
und Amalar von Trier (Epist. de caerimoniis baptismi Ml. 99, 899) er-
wähnen die impositio manus überhaupt nicht, sondern schliessen die con-
firmatio corporis et sanguinis sofort an die vorhergehenden Akte an.
*) De baptismo c. 7: Exinde egressi de lavacro perungimur bene-
dicta unctiono de pristina disciplina, qua ungi oleo de cornu in sacerdotium
solebant. c. 8: Dehinc manus imponitur, per benedictionem advocans et
invitans spiritum sanctum.
*) Epist. 73 ad Iabaianum c. 9: Et idcirco qui legitimum et eccle-
siasticum baptisma consecuti fuorant, baptizari eos ultra non oportebat,
sed tantummodo quod deerat id a Petro et lohanne factum est, ut ora-
tione pro eis habita et manu imposita invocaretur et infunderetur super
eos spiritus sanctus.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 6 1
sprachen, während die römische Kirche (Stephanus) unter ge-
wissen Bedingungen eine Ketzertaufe anzuerkennen geneigt war,
hingegen die Fähigkeit, eine korrekte Handauflegung zu spen-
den, der orthodoxen Barche vorbehielt und dementsprechend mit
den zu ihr übertretenden Häretikern verfuhr. 1 ) Das lässt auf
ein besonderes Gewicht schliessen, welches man der Handauf-
legung beilegte. Stephanus nämlich spricht zwar nur von einer
Handauflegung in poenitentiam , aber es kann keinem Zweifel
unterliegen, dass er ebenso wie seine Gegner und die gesamte
Kirche des Abendlandes unter ihr diejenige hochbedeutsame
Handlung verstand, an welche die Mitteilung des heiligen
Geistes geknüpft war. 2 ) Inwiefern diese Auffassung richtig war,
inwiefern durch eine solche energische Betonung der Handauf-
legung das Wasserbad der Taufe, in welchem doch in
erster Linie der heilige Geist dem Täufling mitgeteilt wird,
eine Beeinträchtigung erfährt : das zu untersuchen gehört nicht
hierher. 8 ) Genug, jenes Zeitalter kannte für das eine Sakra-
ment der Taufe zwei nicht zu trennende Vollzugsriten, und
Cyprian spricht es in der ersten der von Odilbert citierten
*) Des Stephanus Ansicht in Cyprian, epist. 74 ad Pompeium c. 1:
Si qui ergo a quacumque haeresi venient ad vos, nihil innovetur nisi quod
traditum est, ut manus illis imponatur in poenitentiam, cum ipsi haeretici
proprie alterutrum ad se venientes non baptizent, sed communicent tan-
tum. Zum ganzen Vorgang vgl. Höfling, D. Sakrament d. Taufe I 62 — 77.
496 — 503. Ganz entsprechend entschied die Synode von Compiegne 757
can. 12 (ßoretius 31. G. Capit. reg. Franc. I 38): Si quis baptizatus est a
presbytero non baptizato et saneta trinitas in ipso baptismo invocata ra-
erit, baptizatus est, sicut Sergius papa dixit. Impositione tarnen manuum
episcopi indiget.
") Vgl. unt. and. Hieron. dial. contra Lucif. c. 6: Sed ego reeipio
laicum poenitentem per manus impositionem et invocationem spiritus
saneti, sciens ab haereticis spiritum sanetum non posse conferri.
*) Dieser Widerspruch wurde schon frühe empfunden und auszu-
gleichen versucht. Vgl. die pseudoeusebianische Homilie In die pente-
costes (Bibl. Max. Patr. VI 649): Forte cogitat sibi aliquis: Quid mihi
prodest post mysterium baptismatis ministerium confirmantis ? — Ergo
spiritus sanetus in fönte tribuit plenitudinem ad innocentiam, in confirma-
tione augmentum praestat ad gratiam. — In baptismo regeneramur ad
vitam, post baptismum confirmamur ad pugnam, in baptismo abluimur,
post baptismum roboramur. Ac sie continuo transituris aufnehmt regene-
rationia beneficia, victuris autem necessaria sunt confirmationis auxilia.
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62 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
Stellen unzweideutig aus, dass ohne Handauflegung der Ge-
taufte nicht wirklich und vollständig getauft sei.
Des weiteren geht noch aus jenem Citate Cyprians hervor,
dass die Handauflegung zu spenden als ein Vorrecht der kirch-
lichen Oberen (praepositis ecclesiae) gilt, und dass ihr Vollzug
mit der Signation (signaculo dominico) verbunden gewesen ist.
In dieser ihrer ausgereiften Gestalt begegnet die Hand-
auflegung im fräDkischen J ) Gelasianum, wo es heisst: Deinde
ab episcopo datur eis spiritus septiformis. Ad consignandum
imponit eis manum in his verbis: Deus omnipotens, pater
doinini nostri Iesu Christi qui regenerasti famulos tuos ex aqua
et spiritu sancto quique dedisti eis remissionem omnium pecca-
torum , tu domine, immitte in eos spiritum sanctum tuum pa-
raclitum et da eis spiritum sapientiae et intellectus, spiritum
consilii et fortitudinis, spiritum scientiae et pietatis. Adiraple
eos spiritu timoris dei in nomine domini nostri Iesu Christi,
cum quo vivis et regnas deus Semper cum spiritu sancto , per
omnia saecula saeculorum. Resp. Amen. Postea signat eos in
fronte de chrismate dicens: Signum Christi in vitam aeternam.
Resp. Amen. Pax tecum. Resp. Et cum spiritu tuo.
Der letztere Zusatz ist auffallend. Er zeigt, dass die
Handauflegung, der doch der ganze Akt Namen und Bedeu-
tung verdankte, aufgehört hat, ausschliessliche Vollzugsform zu
sein. Vielmehr ist neben sie als zweites die Konfirmation kon-
stituierendes Moment die Signierung der Stirn mit dem Chrisma
getreten. Bekanntlich hat die liturgische Entwicklung dann
weiter den Verlauf genommen, dass die Handauflegung bei der
Konfirmation völlig verschwindet und sich nur jenes „extensis
versus confirmandum manibus" gesprochene Gebet sowie die Sig-
nierung der Stirn mit dem Chrisma behauptet. 2 )
Dieser eigenartigen Entwicklung gegenüber tritt der kon-
servative Charakter der mailändischen Taufliturgie um so augen-
fälliger hervor. Denn unter völliger Ignorierung etwaiger
] ) D. h. der Abschnitt I 44 gehört zu den erst auf fränkischem
Boden im 7. Jahrhundert in das echte Gelasianum eingeschobenen Be-
standteilen.
*) Pontiticale Romanum, Appendix: Confirmatio uni tantum eon-
ferenda. Edit. Ratisb. p. 62.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 63
späterer Gewährsmänner operiert Odilbert in dieser Frage fast
ausschliesslich mit den Anschauungen des 3. Jahrhunderts. Er
kennt die vom Bischof zu spendende Handauflegung nur als die
Geistesmitteilung, in welcher die Taufe ihren Abschluss findet.
Ihre Vollzugsform besteht im Auflegen der Hand unter Gebet
mit angeschlossener Signation. 1 ) Von einer zweiten ausschliess-
lich dem Bischof vorbehaltenen Salbung ist hingegen nirgends
die Rede.
Dieser abgerundeten Darstellung des Taufritus fügt Odil-
bert noch ein überzähliges Kapitel (c. XXII) bei, in welchem
er unter Berufung auf Johannes Diakonus von den Täuflingen
die Barfüssigkeit verlangt. Ich gestehe, dass mir die Absicht,
welche den Erzbi9chof hierbei geleitet hat, dunkel ist. Im Zu-
sammenhang, in welchem sich das Citat bei Johannes findet,
hat es Sinn. Er verlangt, dass der Täufling, bereits ehe
er sich für den Taufakt entkleidet, d. h. bei den die Taufe
direkt einleitenden Ceremonien, barfüssig sei. Er erklärt dies
für eine alte Gewohnheit, die aber nicht offiziell irgendwo
niedergeschrieben sei. 2 ) Und in der That sind Analoga aus
der Alten Kirche bekannt, so wenn in Afrika die Kompetenten
in der Nacht vor der Symbolübergabe einzeln vortreten und
sich mit gebeugtem Nacken und barfuss auf ein Ziegenfell
*) Dasselbe gilt auch von dem offiziellen Taufschema, vgl. Alcuin.
ep. 93 bezw. 261 : Novissime per impositionem manus a summo sacerdote
septiformis gratiae spiritum accipit. Mit fast denselben Worten drückt
sich Magnus von Sens (Libell. de myst. bapt.) aus. Des weiteren stimmen
bei Theodulf von Orleans (Lib. de ord. bapt. c. 17) und Hrabanus Maurus
(De instit. cleric. I 30). Hingegen hat Leidrad von Lyon (Lib. de sacram.
bapt. c. 7) die doppelte Angabe: Non tarnen frontem signare, quod solis
debetur episcopis cum tradunt spiritum paraclitum, haec causa est: nam
licet sint et presbyteri sacerdotes, pontificatus tarnen apicem non habent,
und : Et propterea fit manus impositio, ut per orationem et benedictionem
advocatus invitetur spiritus sanetus. Vor allem aber erklärt Jesse von
Amiens (Epist. de bapt. Ml. 105, 790), der auch im übrigen dem Ritus des
fränkischen Gelasianum folgt : Post haec confirmet eum episcopus in fronte
de chrismate. Ideoque manus impositio fit, ut per benedictionem ad-
vocatus invitetur, spiritus sanetus super eos descendat.
*) L. c. c. 6: Haec igitur ecclesiastica sollicitudo per successiones
temporum cauta dispositione constituit, quamvis horum veatigia vetus pa-
gina non ostendat.
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64 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
stellen mussten, um sich in dieser Situation der Prüfung zu
unterziehen d. h. wohl die Absageformel an den Teufel zu
sprechen. 1 ) Ahnliches übte man in Spanien. Hier unterzogen
sich die Kinder beim Eintritt in die Taufvorbereitung einer Cere-
monie, welche die von Johannes geforderte Busse versinnbildlichte,
indem sie, jedenfalls auch barfuss, über ausgebreitete rauhe
Ziegenfelle schritten. 2 ) Warum sollte sich nicht auch bei anderen
Kompetentenakten, besonders bei solchen, welche dicht vor oder
im Baptisterium stattfanden, die Barfüssigkeit als Zeichen be-
sonderer Ehrfurcht eingebürgert haben? Aber wenn Odilbert
hierauf hätte anspielen wollen, dann hätte er fraglos dieses
Kapitel dahingestellt, wohin es gehörte, vor die Taufe, unter
die einleitenden Akte. Das legt die Vermutung nahe, dass Odil-
bert hier einen anderen Ritus meint als die Barfüssigkeit, näm-
lich die in Mailand von ältesten Zeiten her beliebte Fuss-
waschung. Er mag das Citat bei Johannes Diakonus fälsch-
lich auf diese bezogen haben, zur „lotio pedum" gehörte ja die
„nuditas pedum" als ihre Vorbedingung. Die Fusswaschung wird
bereits zu Anfang des 4. Jahrhunderts für Spanien verboten. 8 )
In Afrika wollte man sie zu Augustins Zeit gern bestehen
lassen als das was sie ursprünglich gewesen war, als eine Er-
mahnung zur Demut, die auf einen Neophyten in dieser Form
einen ganz besonderen Eindruck machen musste. Aber man
verwahrt sich energisch dagegen, dass sie irgendwie zum Sakra-
ment gerechnet wird. Um ja eine derartige irrtümliche Meinung
nicht aufkommen zu lassen, trennt man sie zeitlich möglichst
vom Taufakt, indem man sie erst drei oder gar acht Tage
nachher vornimmt. 4 ) Auch Maximus von Turin berichtet, dass
*) De symbolo ad catechumenos sermo II c. 1, 1, sermo IV c. 1, 1
in August, opp. Tom. VI Appendix MI. 40, 637. 661.
*) Ildefons, de cognit. bapt. c. 14. 21. Vgl. oben S. 43 Anm. 3.
*) Synode von Elvira ca. 306 can. 48 Hefele, Oonciliengesch. I 177:
Neque pedes eorum lavandi sunt a sacerdotibus vel clericis. Vgl. Corp.
iur. can. Causa I quaest. I c. 104. Herbst in der Tübing. Theol. Quartal-
schrift 1821 S. 40. Ceillier, Hist. gener. des auteurs sacres II 610.
*) August, epist. 55 ad Ianuarium c. 18, 33. Ml. 33, 220: Aliqui
autem ut hoc et sacratiore tempore commendarent et a baptismi aacra-
mento distinguerent, vel diem tertium octavarum quia et ternarius nume-
rus in multis sacramentis maxime excellit, vel etiam ipsum octavum ut
hoc facerent elegerunt.
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IV. Anmerkungen au dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 65
erst nach Absolvierung aller übrigen Ceremonien die Fuss-
waschung vorzunehmen sei. 1 ) Mit diesen beiden Notizen stimmt
es nun sehr gut, wenn Odilbert erst an allerletzter Stelle, sogar
noch hinter Kommunion und Konfirmation, die Fusswaschung
erwähnt. Dazu kommt aber noch, dass gerade Mailand von
alters her einen hohen Wert auf diesen Ritus gelegt hat Denn
schon Ambrosius bezeichnet unter Berufung auf Joh. 13, 8
die Fusswaschung als einen integrierenden Bestandteil des Tauf-
ceremoniells und zugleich als eine werte Eigentümlichkeit der
mailändischen Kirche , die man sich trotz römischen Wider-
spruchs nicht nehmen lassen wolle. 8 ) Gerade hier in Mailand
findet man, was Augustin und Rom gleich scharf bekämpfen,
die Hinzurechnung der Fusswaschung zu den heilsnotwendigen
Tauf riten ; man gibt ihr einen Ehrenplatz zwischen Chrismation
und Handantlegung, und zwar nimmt sie der Erzbischof, der
sich dem Vorbilde Christi gemäss geschürzt hat, eigenhändig
vor. Und nur das ist auffällig, dass Odilbert an dieser Stelle statt
% ) Tractat. Iii de baptiamo Ml. 57, 779: Impletis autem omnibus
sacramentis etiam mandatum Christi vobia et exemplo et sermone tradi-
dimus. Lavimus enira singulorum pedes ad imitationem vos nostram, imo
ipsius domini et salvatoris nostri vos provocantes, ut quemadmodum nos
vestros pedes lavimus, ita etiam vos pedes fratrum et hospitum lavare
debeatis.
*) Ambros. de myster. 6, 31 — 33: Ascendisti de fönte, memento
evangelicae lectionis. Etenim dominus noster Iesus in evangelio lavit
pedes diseipulis suis. — De sacrament. lib. III c. I, 4—7: Non ignoramus
quod ecclesia Romana hanc consnetudinem non habeat, cuius typum in
omnibus sequimur et formam: hanc tarnen consuetudinem non habet ut
pedes lavet. — In omnibus cupio sequi ecclesiam Rom an am, sed tarnen et
nos homine8 senaum habemus, ideo quod alibi rectius servatur et nos rec-
tius custodimus. Auch in Gallien begegnet die Ceremonie der Fass-
waschung, vgl. Arnold, Caesarius von Arelate S. 163. — Sakramentar von
Autun (Muratori, Liturg. rom. vet. II 592): Zwischen Chrismation und
Anlegung der weissen Kleider: Dum pedes eius lavas, dicis: Ego tibi
lavo pedes. Sicut dominus noster Iesus Christus fecit diseipulis suis, tu
facias hospitibus et peregrinis, ut habeas vi tarn aeternam. Dum vestimen-
tum ei imponis, dicis. Messbuch von Auxerre (L c. II 742): Nach der
Chrismation: Ad pedes lavando. Dominus et salvator noster Iesus Chris-
tus apostolis suis pedes lavit: ego tibi pedes lavo, ut et tu facias hospiti-
bus et peregrinis qui ad te venerint. Hoc si feceris, habebis vitam aeter-
nam in saecula saeculorum.
W i e g a n d , Odilbert von Mailand. 5
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66 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc.
sich auf Ambrosius zu berufen, dessen Erörterungen über die
Fusswaschung ihm bekannt sein mussten, vielmehr das recht
unpassende Citat aus der Epistola ad Senarium zur Erklärung
heranzieht.
Was ist das schliessliche Ergebnis aller dieser einzelnen Beo-
bachtungen? Zunächst jedenfalls die Thatsache, dass die mai-
ländische Kirche um die Wende des 8. und 9. Jahrhunderts
von dem komplizierten römischen Ritus der sieben Skrutinien-
messen, der sich seit dem 7. Jahrhundert auch in der fränkischen
Kirche eingebürgert hatte, noch nichts oder nichts mehr weiss.
Alles spricht vielmehr dafür, dass zu den Zeiten Odilberts
TaüfvörDereitung und Taufakt in Mailand einen einzigen ge-
schlossenen Gottesdienst ausmachten, der nur durch die Be-
nennung seiner einzelnen Teile daran erinnerte, dass früher
Katechumenat, Kompetentenzeit und Taufe zeitlich auseinander-
liegende und obendrein vielseitig gegliederte Institutionen ge-
wesen waren. Was Odilbert uns bietet, ist kein Skrutinien-
ritus, sondern ein Taufordo, nicht unähnlich solchen Ordines,
wie wir sie in grosser Anzahl aus späterer £eit besitzen, und
wie wir sie auch als Eigentum der mailändischen Gemeinde
kennen. 1 ) Dieser Ordo gliedert sich aber in vier Abschnitte.
Der Täufling wird:
1) Katechumene. Als solcher wird er exsufBiert und
exorcisiert, darauf reicht man ihm Salz und salbt ihn. Dann
gilt er
2) als Kompetent. Als solchen unterzieht man ihn den
Skrutinien und der Katechese d. h. man unterstellt ihn wieder-
holten Exorcisationen. Sodann teilt man ihm das Symbol mit.
Endlich benetzt man ihm im sog. Effeta Nase und Ohren mit
Speichel. Alsdann betritt er
3) das Baptisterium, um sichhier an Brust und Schultern
mit Öl salben zu lassen, um dem Teufel zu entsagen und die
Glaubensfragen zu beantworten. Nunmehr erfolgt die Taufe.
— ■ —
') Vgl. unt. and. den von Muratori (Antiquit. ital. med. aevi 1741
Tom. IV p. 849—851) mitgeteilten Ordo qualiter scrutinia agantur pro
catechumenis, scriptus circiter ann. Christi 1130, wo scrutinia nichts anderes
sind als das die Taufe einleitende und abschliessende liturgische Cere-
moniell.
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IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräsentierten Taufordo etc. 6t
4) An den Taufakt schliessen sich als weitere Ceremonien
bezw. die Taufe abschliessende Akte : die Salbung mit Chrisma,
das Anlegen der Stirnbinde, das Anziehen des weissen Tauf-
kleides, die Kommunion, die Handauflegung durch den Bischof
und die Fusswaschung.
Im Anfang des 9. Jahrhunderts begegnet, wie schon gesagt,
sehr häufig in den Schriften der fränkischen Theologen ein
Taufordo, der nach der Art und Weise zu schliessen, wie er
citiert wird, eine geradezu offizielle Giltigkeit in der fränkischen
Kirche gehabt haben muss. Sein Schema ist etwa das folgende.
Der Täufling wird
1) Catechumenus. Die „Katechisationen" aber, denen er
als solcher untersteht, sind:
a. ISxsufflatio.
b. Exorcizatio.
c. Datio 8alis. Alsdann wird er
2) Competens. Ihm werden zu teil:
a. Traditio symboli.
b. Scrutinia (d. h. Exorcisation und Katechismusexamen).
3) Es folgen der Taufakt:
a. Tanguntur nares.
b. Pectus perungitur oleo, signantur scapulae. Abre-
nuntiatio satanae.
c. Interrogationes fidei.
d. Trina Immersio
4) und die Schlussakte:
a. Albis induitur vestimentis.
b. Chrismate caput perungitur et mystico tegitur vela-
mine.
c. Corpore et sanguine dominico confirmatur.
d. Per impositionem manus a summo sacerdote spiri-
tum accipit.
Hält man diese beiden Taufordines zusammen, so treten
natürlich eine ganze Reihe kleiner Differenzen hervor. Weit
grösser aber ist die Übereinstimmung. Denn beide Ordines
repräsentieren in der Hauptsache bereits den späteren römischen
Ordo baptismi und bilden fraglos eine wichtige Stufe in dessen
allmählicher Ausgestaltung.
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68 IV. Anmerkungen zu dem durch Odilbert repräientierten Taufordo etc.
Odilbert hat in seiner Antwort an Karl sogut wie ganz
von irgendwelchen Gewährsmännern der jüngst verflossenen
Periode abgesehen. In einer oft auffälligen "Weise ignoriert er
das zeitlich Nächstliegende und greift er auf die ältesten Autori-
täten der Barche zurück. Dieses Verfahren mag teilweise sehr
natürliche Gründe gehabt haben, vielleicht hier und da ziem-
lich absichtslos gewesen sein. Der Erfolg war gleichwohl be-
deutsam. Im Vergleich mit den Vertretern des Skrutinienritus
im 7., 8. und 9. Jahrhundert erscheint Odilbert mit semein
Taufordo durchaus als ein Moderner, der die Entwicklung der
Taufliturgie um ein gutes Stück fordern hilft. Er ist aber ein
Moderner geworden, indem er gleicherweise wie die erleuch-
tetsten Köpfe seiner Zeit die Traditionen der Alten Kirche
wieder aufgreift und die Missbildungen späterer Jahrhunderte
nach Möglichkeit ignoriert.
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Lippert & Co. (G. Fätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S.
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